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Von der Schwierigkeit zu leben

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    Von der Schwierigkeit zu leben

    Unbekannter Verfasser, grade in einem alten Forum gefunden, in dem ich von 2004 bis 2011 aktiv war

    Von der Schwierigkeit zu leben...

    Bitte höre was ich nicht sage!
    Lass dich nicht von mir narren!
    Lass dich nicht durch das Gesicht täuschen,
    das ich mache, denn ich trage tausend Masken –
    Masken, die ich fürchte abzulegen
    und keine davon bin ich.

    So tun als ob ist eine Kunst,
    die mir zur zweiten Natur wurde.
    Aber lass dich dadurch nicht täuschen,
    um Gottes Willen, lass dich nicht von mir narren.

    Ich mache den Eindruck, als sei ich umgänglich,
    als sei alles sonnig und heiter in mir,
    Innen wie Außen,
    als sei mein Name Vertrauen und mein Spiel kühle,
    als sei ich ein stilles Wasser
    und als könne ich über alles bestimmen,
    so als bräuchte ich niemanden.

    Aber glaub mir nicht, bitte glaub mir nicht!

    Mein Äußeres mag sicher erscheinen,
    aber es ist meine Maske.
    Darunter ist nichts Entsprechendes.
    Darunter bin ich, wie ich wirklich bin:
    Verwirrt, in Furcht und alleine.
    Aber ich verberge das.

    Ich möchte nicht, dass es jemand merkt.
    Beim bloßen Gedanken an meine Schwächen
    bekomme ich Panik und fürchte mich davor,
    mich anderen überhaupt auszusetzen.
    Gerade deshalb erfinde ich verzweifelt Masken,
    hinter denen ich mich verbergen kann:

    Eine lässige kluge Fassade,
    die mir hilft etwas vorzutäuschen,
    die mich vor dem wissendem Blick sichert,
    der mich erkennen würde.
    Dabei wäre dieser Blick gerade meine Rettung
    und ich weiß es.

    Wenn er verbunden wäre
    mit Angenommen werden, mit Liebe..
    Das ist das einzige,
    das mir die Sicherheit geben kann:
    Dass ich wirklich etwas wert bin!

    Aber das sage ich dir nicht!
    Ich wage es nicht!
    Ich habe Angst davor. Ich habe Angst,
    dass dein Blick
    nicht von Annahme und Liebe begleitet wird.
    Ich fürchte, du wirst gering von mir denken
    und über mich lachen.
    Und dein Lachen würde mich umbringen.
    Ich habe Angst,
    dass ich tief in mir selbst nichts bin,
    nichts wert und dass du das siehst
    und mich abweisen wirst.

    So spiele ich mein Spiel,
    mein verzweifeltes Spiel:
    Meine sichere Fassade Außen
    und ein zitterndes Kind Innen.
    Ich rede daher im gängigen Ton
    oberflächlichen Geschwätzes.

    Ich erzähle dir alles,
    was wirklich nichts ist
    und nichts von alledem was wirklich ist,
    was in mir schreit.

    Deshalb lass dich nicht von mir täuschen,
    von dem was ich aus Gewohnheit rede.
    Bitte höre sorgfältig hin
    und versuche zu hören, was ich nicht sage,
    was ich gerne sagen möchte
    und nicht sagen kann!

    Ich verabscheue Versteckspiele! Ehrlich!
    Ich verabscheue dieses oberflächliche Spiel,
    dass ich da aufführe!
    Ich möchte wirklich echt und spontan sein können,
    einfach ich selbst, aber du musst mir helfen.
    Du musst deine Hand ausstrecken,
    selbst, wenn es das letzte zu sein scheint,
    was ich mir wünsche.

    Nur du allein kannst den leeren
    toten Glanz von meinen Augen nehmen.
    Nur du kannst mich zum Leben rufen.
    Jedes mal wenn du zu verstehen versuchst,
    weil du dich wirklich um mich sorgst,
    bekommt mein Herz Flügel – kleine Flügel,
    sehr brüchige Schwingen, aber Flügel!

    Dein Gespür, dein Mitgefühl
    und die Kraft deines Verstehens
    hauchen mir Leben ein!
    Ich möchte, dass du weißt,
    wie wichtig du für mich bist,
    wie sehr du aus mir den Menschen machen kannst,
    der ich wirklich bin – wenn du willst!

    Bitte, ich wünschte, du wolltest es.
    Du allein kannst mir die Wand niederreißen
    hinter der ich zittere.
    Du allein kannst mir diese Maske abnehmen.
    Du allein kannst mich aus meiner Schattenwelt,
    aus Angst und Unsicherheit befreien –
    aus meiner Einsamkeit. Übersieh mich nicht.

    Bitte bitte übergeh mich nicht.
    Es wird nicht leicht für dich sein.
    Die lang andauernde Überzeugung wertlos zu sein,
    schafft dicke Mauern.
    Je näher du mir kommst,
    desto blinder schlage ich zurück.
    Ich wehre mich gegen das, wonach ich schreie.
    Aber man hat mir gesagt,
    dass Liebe stärker sei als jeder Schutzwall
    und darin liegt meine Hoffnung.

    Bitte versuche diese Mauern niederzureißen –
    mit sicheren Händen, aber mit zarten Händen:
    Ein Kind ist sehr empfindsam.
    Wer ich bin, magst du fragen?
    Ich bin Jemand, den du schon lange kennst.
    Du kennst mich sehr gut.
    Ich bin Jedermann den du triffst,
    jeder Mann und jede Frau, die dir begegnen!


    Unbekannter Verfasser
    Zuletzt geändert von BoehserSteve; 31.05.2018, 23:33.

    #2
    Hier ist das Original mit Verfasser: https://poetrybycharlescfinn.com/pag...-im-not-saying

    Das weckt Erinnerungen...
    Zuletzt geändert von Nightshade; 01.06.2018, 05:45.

    Kommentar


      #3
      Ursprünglich kannte ich nur den ersten Teil, hat für mich mehr als Symbolcharakter. Ich versteck(t)e mich auch unter andern Namen, sowohl im Internet, aber auch (ab Ende 1996) mit der Nutzung eines Spitznamens, wenn ich mich irgendwem vorstelle, anstatt meines normalen, so dass mich viele in meinem damaligen, privaten Umfeld nur als Steve kennen und nicht wissen, dass ich eigentlich anders heisse.

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        #4
        Ich kenne es von hier: Aus "Von der Schwierigkeit zu lieben, Maßstäbe des Menschlichen" von Tobias Brocher
        Kreuz Verlag Stuttgart, 12. Auflage, 1975, ISBN 3-7831-0465
        Wer hat da jetzt wohl abgekupfert? Ist übrigens auch sonst ein empfehlenswertes Buch, mit dem ich auch heute noch gut arbeiten kann.

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          #5
          Verstecken tust du Dich, ja... aber nicht zu sehr.
          Du arbeitest auch an Dir, und das ist wichtig. Ich verstecke mich auch im Netz, ich bin Kroni. Nur ganz wenige Leute kennen meine "Realdaten".

          Ich muss jetzt ganz klar mal sagen, dass Du eine Bereicherung für die Community bist. Wenn Du mal verstehst, dass du hier nicht verteidigen oder angreifen musst, ganz einfach, weil du akzeptiert bist... dann hast Du einen Schritt für Dich getan. Und für uns auch. Und das sind die Dinge, die dich aus Deiner Scheiße rausreißen (sorry für den Ausdruck, der musste sein).

          Du bist auf dem Weg.

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            #6
            Zitat von Der Lehrer Beitrag anzeigen
            Ich kenne es von hier: Aus "Von der Schwierigkeit zu lieben, Maßstäbe des Menschlichen" von Tobias Brocher
            Kreuz Verlag Stuttgart, 12. Auflage, 1975, ISBN 3-7831-0465
            Wer hat da jetzt wohl abgekupfert? Ist übrigens auch sonst ein empfehlenswertes Buch, mit dem ich auch heute noch gut arbeiten kann.
            Nicht abgekupfert, nur übersetzt.

            Aber es gibt auch unbelegte Aussagen auf diversen Gedichte-Seiten, dass Tobias Brocher die übersetzte Version von einem Studenten überreicht wurde.

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              #7
              Sehr schön :=)

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