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Alt 19.11.2012, 13:46
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FegeFeuer FegeFeuer ist offline
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Teil 14

In den darauf folgenden Tagen spitzte sich die Lager immer mehr zu. Viele Zwerge beschimpften Kallon. Allem voran der Rat, aber auch die Familien, der Gefallenen, des Angriffs auf den Höhleneingang. Er konnte es kaum noch wagen alleine einen Schritt vor die Tür zu setzen. Ein Mal kam eine junge Zwergin auf ihn zu gerannt und versuchte ihn zu würgen. Ihre Augen waren rot und Tränen liefen über ihr blasses Gesicht.
„Ihr habt meinen Mann getötet. Er würde noch leben, wenn ihr diese Gruppe nicht so einfach in den Tod geschickt hättet, sondern auf einen Befehl des Rates gewartet hättet."
Er wehrte sich kaum, gegen den Angriff der Frau, weil er sie gut verstehen konnte. Ein paar Kämpfer seines Klans waren jedoch gerade in der Nähe und zogen die am Boden zerstörte Frau weg. Er begann sich zuhause in seinem Arbeitszimmer zu verkriechen und begann Met zutrinken. Er trank, bis er begann zu vergessen. Hätte er nicht so vorschnell gehandelt, würden sie vielleicht noch leben. Tanar und Borin versuchten ihm einzureden, dass er richtig gehandelt hatte. Sie versuchten ihm die Flasche weg zunehmen, doch wenn immer sie dies taten, wurde er wütend und schlug alles kaputt, was er zu fassen bekam. Mit den Tagen wurden seine Haare filziger und ein penetranter Geruch ging von ihm aus.
Niedergeschlagen ging Tanar durch die Stadt. Einer aus dem Rat hatte dem Volk die Entscheidung überlassen, ihn zum König zu wählen, um endlich wieder Ordnung in dieser Stadt herrschen zu lassen. Sie hatten Kallons Macht eingeschränkt und waren nun selber dran, die absolute Kontrolle über die Stadt zu bekommen. Selbst diese Nachricht konnte Kallon jedoch nicht aus seinen Depressionen wecken. Zwei Mitglieder hatten den Klan bereits verlassen und es würden weitere gehen, wenn sie Kallon nicht endlich umstimmen konnten. Ein Mitglied vom Klan kam zu Tanar angerannt.
„Tanar, es ist wichtig. Ist Kallon immer noch in seinem Zimmer?"
Der Zwerg atmete schwer und schnappte zwischen jedem Wort nach Luft.
„Ja, was ist passiert?"
„Der Rat. Sie manipulieren unsere Entscheidungen. Ich habe heute eine Drohung erhalten, dass ich den Klan verlassen soll. Wenn nicht, drohen sie mir und meiner Familie mit dem Tod. Ich habe mit den beiden gesprochen, die den Klan bereits verlassen haben, sie haben auch solche Drohungen erhalten. Sie werden Kallon töten lassen!"
Sofort rannte Tanar mit dem Zwerg zum Haus zurück um Kallon aufzusuchen. Sie rissen die Tür auf und sahen Kallon, dem ein Dolch an die Kehle gehalten wurde. Regungslos saß Kallon auf dem Stuhl. Seine schwarzen Augen zeigten keinerlei Gefühl. Das Zimmer sah so aus wie immer, keine Zeichen eines Kampfes. Verängstigt stand der vermummte Zwerg mit dem Dolch in der Hand im Raum.
„Lass den Dolch fallen und entferne dich von ihm!", befahl ihm die Wache.
„Nein! Kommt mir nicht näher oder ich töte ihn."
Die Stimme des Meuchlers klang verängstigt und war noch recht jung. Wenn Kallon es drauf angelegt hätte, würde der junge Zwerg mit gebrochenen Knochen am Boden liegen und winseln.
„Herr Thingrimson, hören sie mich?", fragte die Wache ihren Klan Anführer, „ Keiner von uns würde sie verraten. Wir waren ihnen stets loyal und haben aus Überzeugung für sie gekämpft. Ich habe mit den zwei gesprochen, sie haben die Gilde nicht verlassen, sie wurden gezwungen."
Das Zittern des jungen Zwerges wurde stärker und begann leicht an Kallons Fleisch zu schneiden.
„Halt dein Maul!", brüllte er.
Beruhigend versuchte der Wächter ihn mit seiner Hand davon abzuhalten, tiefer zu schneiden.
„Wir haben stets an sie geglaubt und tun es immer noch. Verraten sie uns bitte nicht."
Mit einem Ruck griff Kallons Hand nach dem Handgelenk seines Angreifers und zog den Dolch von seinem Hals fort. Mit einem Ruck an dem Handgelenk, zog er den Zwerg vor sich und schlug mit der Hand gegen den Hinterkopf. Während sein Gegner benommen war, verdrehte er dem Zwerg den Arm, so dass er seine eigene Klinge am Hals hatte.
„Geh nach Hause, Bursche, und lebe ein vernünftiges Leben."
Er nahm ihm den Dolch ab und lies den Zwerg laufen.
„Ihr habt recht, ich muss mich entschuldigen. Ich hätte mich nicht verstecken dürfen und aufgeben sollen. Unsere Brüder, die gefallen sind, hätten es nicht gewollte."
Er sprang auf und wollte durch die Tür rennen, doch Tanar hielt ihn auf.
„Wo willst du hin?"
„Na den Rat zur Rede stellen."
Tanar blickte an Kallon herab.
„Ja, aber nicht so. Du stinkst, wie ein alter Ork, der sich drei Tage lang im Sumpf der Trolle gesuhlt hat."
Kallon stimmte ihm zu und wusch sich. Es dauerte jedoch nicht lange, um möglichst wenig Zeit zu verlieren. Schnellen Schrittes stürmte er die Straßen entlang, zu dem Regierungsgebäude. Als er die Frau erblickte, die ihn vor einigen Tagen angegriffen hatte, blieb er stehen und ging zu ihr rüber.
„Ich weiß wie du dich fühlst. Der Verlust von jedem einzelnen tat mir genauso weh, wie dir. Sie haben tapfer gekämpft für das an was sie glaubten und ich glaube auch an sie. Vergessen wir sie nicht und lassen wir ihre Tode nicht umsonst gewesen sein."
Wie erstarrt verharrte die Frau an Ort und Stelle. Er drehte sich wieder von ihr weg, doch sie dankte ihm. Er sah es nicht, doch sie lächelte. Sie sah ihren Mann in Gedanken, wie stolz er ihr seinen Wappenrock zeigte. Er hatte ihr gesagt, dass es schon immer sein Traum war unter solch einem tapferen Anführer zu dienen und das er eines Tages wollte, das Kallon auf ihn stolz sei. Sie musste damals lachen, weil sie ihn als Tor empfand, doch diesmal lachte sie, weil er es geschafft hatte und er recht behalten hatte. Kallon hatte ihr mehr Mut als alle anderen Klan Anführer bewiesen, denn er hatte die Kraft, ihr es selber zu sagen.
Seiner Wache befahl Kallon, die Bewohner zu versammeln. Er schnappte sich Tanar und zog ihn zu sich ran.
„Ein Klacks. Wir haben schon schwierigeres geschafft."
Er trat mit voller Wucht gegen die Tür und brach sie auf. Die Wucht des Trittes riss fast die Angeln aus der Fassung, so dass die Türen schräg hingen.
„Was fällt dir ein Thingrimson! Wachen nehmt ihn fest!"
Sofort zog Tanar sein Schwert und richtete es auf die Wachen, doch Kallon bedeutet ihm sich zu beruhigen.
„Ich verlange eine Versammlung aller Bürger. Ich werde eure Lügen aufdecken und ihnen zeigen, das ihr es nicht wert seid, den Thron zu besteigen."
Verunsichert tauschten sie Blicke.
„Nun ergreift sie schon!", brüllten sie dann.
Die schwerfälligen Bewegungen der Wachen waren zwar kräftig, doch leicht vorhersehbar und so kostete es Tanar kaum mühe, sie zu parieren. Ein letztes Mal ertönte das klirren von Tanars Schwertknauf an dem Helm einer Wache und sie sank bewusstlos zu Boden. Er machte mit dem Schwert ein paar Lockerungsübungen um ein Gefühl für die Waffe zu bekommen. Das Gewicht war nicht so perfekt ausgeglichen wie bei Liathan und fühlte sich deshalb ungewohnt sperrig beim Schlagen an. Kallon ging einfach den drei Zwergen vorbei.
Als sich die Bewohner versammelt hatten, stellte Kallon sich auf eine Anhöhe und sprach zu den ihnen.
„Ich habe mich die letzten Tage zurück gezogen gehabt, weil ich meinen eigenen Klan enttäuscht habe. Sie sollten einen Eingang verschütten, da der Schatten ihn gefunden hatte. Ich habe sie sofort los geschickt damit man den Eingang sichern kann, bevor wir angegriffen werden konnten. Es waren 22 Männer, von denen 15 starben."
Er setzte eine kleine Pause ein, in der ein Murmeln durch die Menge ging.
„Mich hat der Verlust, dieser tapferen Freunde zutiefst verletzt, doch würde ich jetzt aufhören, würde ich sie verraten. Der Rat versucht uns zu hintergehen, damit er selber die Macht behält. Er hat mich und meine Leute bedroht, die trotz allem zu mir gehalten haben, mit dem Tod. Zu mir haben sie sogar einen Attentäter geschickt. Ich verlange nicht von euch, dass ihr mich zum König wählt, nur, dass ihr ihnen nicht diese Macht gebt."
„Alles Lügen!", brüllte der Rat.
Ein Zwerg aus der Menge stellte sich auf einen Stein.
„Ich gehörte der Gruppe an, die den Eingang verschüttet hat. Wir sind in dem Wissen da hoch gegangen, dass die Schatten schon da sein konnten, doch wir haben nicht gezögert. Wären diese 15 Mann nicht so aufopferungsvoll voran gestürmt, hätten sie uns hier drinnen überraschend angegriffen und wir hätten es wahrscheinlich alle nicht überlebt."
Einige Zwerge die um ihn herum standen, klopften ihm auf die Schulter und lobten ihn für seinen Einsatz. Ein weiterer erhob das Wort.
„Ich war als Wache postiert, als die Schatten mich und meinen Freund überrascht haben. Sie haben ihn getötet und mich als Köder verwendet, um die anderen heraus zu locken. Borin, Kallons Bruder hat, obwohl ich nicht seinem Klan angehöre, keine Sekunde gezögert und ist mit seinen Leuten raus gestürmt um mich zu retten. Wenn ich zurück blicke, hätten sie mich lieber sterben lassen sollen, um ihr eigenes leben zu retten, doch ich kann es nicht rückgängig machen, sondern ihnen nur danken. Solange ich Lebe und auch nach meinem Tod, werde ich ihm und seinem Klan die Treue schwören."
Wie mitgerissen, jubelten die Zwerge und sahen ein, dass Kallon richtig gehandelt hatte. Nur wenige Stunden später und der ganze Berg wäre von einer Flut aus Schatten überrannt worden. Kallon verließ die Anhöhe und schritt durch die Menge zurück. Von überall schüttelten die Leute seine Schulter und lächelten ihm zu. Sie riefen seinen Namen und lobten ihn in den höchsten Tönen und doch war ihm nicht nach feiern zu Mute.
„Zeit zum Freuen ist erst, wenn es den Schatten nicht mehr gibt.", dachte er sich im Stillen.


mal wieder zwei Teile zum lesen .... mehr demnächst
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Über 5.000 Hits mit meiner ersten Geschichte "Die Legende von Tanar"

Über 10.000 Hits mit meiner zweiten Geschichte "Die Legende von Tanar II"

Geändert von FegeFeuer (22.11.2012 um 21:01 Uhr)
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Teil 15

Die Planungen verliefen gut. Seile, Proviant, Pfeifen, Pfeifentabak und anderes Nützliches. Es dauerte nicht lange und sie hatten alles zum Reisen bereit. Gewappnet mit großen Rucksäcken, kam der Tag des Abschiedes. Ihre weiten Wandermäntel verdeckten ihre Rüstungen darunter. Tanar zog seine hochschwangere Frau dicht an sich und drückte sie fest. So verweilten sie lange, bis sie sich von einander lösen konnten. Kallon konnte sie nicht begleiten, da er hier weiterhin präsent sein musste. Wäre er es nicht, befürchtete er, dass der Rat auf hinterhältige Weise die Macht an sich reißen würde. Er umarmte seinen Bruder Borin und drückte ihn eine Büchse in die Hand.
„Ein Zwerg verlässt seine Heimat niemals ohne ein Geschenk. Diese Büchse mit Donnerlehm, hat mir und Tanar schon mal das Leben gerettet. Sie wurde mir von meinem Meister geschenkt."
Borins Finger gingen die Verzierungen auf und ab. In Schönschrift stand Kallons Spitzname auf dem Deckel.
„Phunraugh", murmelte Borin, „Ich danke dir Hammertod."
Er wandte sich von seinem Bruder ab und ging voran. Kenvelo hatte die ganze Zeit ein Stück weiter vorne gewartet und es alles mit angesehen. Es fühlte sich komisch an. Tanar und Borin wurden liebevoll verabschiedet, doch er hatte niemanden. Er konnte sich auch nicht daran erinnern, jemals jemanden gehabt zu haben. Bei diesem Anblick, wünschte er sich, jemanden zu haben, für den es sich lohnen würde, zurückzukehren. Ein komisches Gefühl, so hatte er noch nie empfunden, obwohl er nun schon einige Monate mit ihnen zusammen gelebt hatte. Er drehte sich um und wollte Borin folgen, als ihn ein Zwerg fest hielt.
„Wolltest du ohne dein Geschenk gehen?"
Hinter dem Zwerg rückten die Überlebenden des Angriffes zu ihnen auf. Der Zwerg hielt ihm eine kleine Schachtel hin.
„Es wird dir vielleicht nützlich sein. Zumindest hoffen wir es. Wärest du nicht dort oben gewesen, hätten wir es nie geschafft."
Dankend nahm Kenvelo das Geschenk an, wobei es ihm ein freudiges Grinsen ins Gesicht schlug.
Als er in die Schachtel blickte, sah er einen kleinen hölzerne Flöte.
„Wenn du mal nicht weiter weist, dann spiel sie. Sie hat einen wunderschönen Klang.", rief einer von hinten.
„Ein Drache hat sie uns geschenkt, als Zeichen des Friedens. Wir schenken sie dir als Zeichen unseres Dankes.", erzählte ihm ein anderer.
Kenvelo verstaute die Flöte sicher in seinem Rucksack.
Er war glücklich darüber, dass man ihn so herzlichst verabschiedete. Sein erstes Geschenk, zumindest an das er sich erinnern konnte. Frohen Herzens verabschiedete er sich von den Zwergen und folgte dann Tanar und Borin, der die Führung übernahm. Es fiel ihm viel leichter seine Beine zu bewegen, jetzt da er wusste, dass es Freunde auf dieser Welt gibt, für die es sich zu kämpfen lohnt. Freundlich klopfte Tanar ihm gegen die Schulter.
„Keine Angst, wir sind nicht alleine. Als Freunde werden wir das alles durchstehen."
Als sie den Höhlenausgang erreichten, war es bereits Nacht. So konnten sie unbemerkt den versteckt gelegen Eingang verlassen. Sie waren dicht an dem Elfenwald La Nurda heraus gekommen, da die meisten Gänge zugeschüttet waren oder noch weiter von der Hauptstadt Aiwah entfernt lagen. Ein Gebirgswall am Rande des Gebirges umschloss einen See. Wenn man von oben herauf sah, sah es so aus, als wenn es einfach nur ein See in einem Berg wäre, doch direkt über dem Ufer, war ein kleiner Eingang. Sie hatten ihre Rucksäcke abnehmen müssen und waren über den Boden gekrochen, um durch den Eingang zu passen. Als sie draußen ankamen, waren sie klitsch Nass, denn das Wasser stand einige Zentimeter hoch in dem Tunnel. Sie gingen durch den brusttiefen See, in dem Borin schwimmen musste und verließen ihn auf der gegenüber liegenden Seite, durch einen kleinen Spalt in der Felswand. Ein eisiger Wind ergriff sie und lies sie am ganzen Körper zittern. Sie wanderten durch ebenes Gebiet, welches wenig Schutz bot. Sie waren zwar müde, doch die Nacht bot guten Schutz und so wanderten sie, bis sie die Ebene verlassen hatten und die Gegend wieder mehr Schutz durch Hügel und Bäume bot. Dicht aneinander gedrückt verkrochen sie sich in einer Höhle um etwas zu schlafen.
Früh am Morgen weckte die Sonnenstrahlen sie. Sie aßen eine Kleinigkeit und machten sich dann wieder auf den Weg. Die kühle feuchte Luft, ließ sie schnell wieder wach werden. Friedlich glitzerte der Tau auf dem Gras. Die Vögel sangen den drei Wanderern ihre Lieder und begleiteten sie ein Stück. Während ihrer Reise, mieden sie Wege, auch wenn es nur ein Seitenpfad war. Manchmal dauerte es zwar etwas länger, aber sie fühlten sich sicherer. Ihr Weg führte sie durch abgelegene Gegenden, die noch von Menschenhand unberührt wirkte oder sich schnell wieder verwildert hatte, nachdem der Schatten die Menschen wieder verdrängt hatte. Am späten Nachmittag, erblickten sie ein Dorf in einem Tal. Sie wollten es wie die anderen Dörfer umgehen, doch das rege Treiben ließ sie neugierig werden. Vorsichtig huschten sie den mit Steinen übersäten Hang hinab. Geduckt schlichen sie bis zu dem Rand eines Gebäudes um spähten um die Ecke. Eine Horde von Schatten hatte vier junge Männer und eine Frau eingekesselt. Verängstigt standen die fünf dicht bei einander. Ein Balken versperrte Tanar und seinen Freunden die Sicht, so dass sie nicht die gesamte Zahl der Schatten einschätzen konnte. Ein Reiter kam zum Vorschein und umkreiste die Gruppe auf seinem Pferd. Weiße Dampfwolken traten aus den Nüstern des Pferdes aus. Immer wieder scharte es mit den Hufen und warf den Kopf hin und her. Als Tanar endlich das Gesicht erkennen konnte, packte ihn der Hass, gemischt mit Angst. Myron stieg von dem Pferd ab und packte sich einen der Männer. Er zog ihn dicht zu sich ran und flüsterte ihm etwas ins Ohr.
„Wir müssen etwas unternehmen, oder man wird sie töten.", flüsterte Kenvelo.
Bewegungsunfähig blieb Tanar sitzen. Die Worte Myrons hatten viel zu viel Angst bei ihm hinterlassen. Wie eine unheilvolle Warnung nicht einzugreifen, hörte er die Stimme des Nekromanten, wie sie ihm auf dem Dorn der Welt sagte: „Ich bin schon lange tot. Wie willst du mich denn noch besiegen?".
Borin packte ihn am Kragen und schüttelte ihn.
„Verdammt, was ist los!"
Tanar zog sich von dem Griff los und lehnte sich zurück gegen die Holzwand. Er hielt seine Hände vor sein Gesicht und legte den Kopf in den Nacken.
„Es tut mir leid, aber wir können nichts tun."
Ein langer Knochen schoss aus Myrons Hand und blieb vibrierend vor dem Gesicht des Mannes stehen. Die Frau riss sich los und schlug gegen den Arm des Totenbeschwörers. Ihre verbitterten Schreie klangen wie schneidende Klingen an Tanars Ohr. Er versuchte nicht dran zu denken, zu verdrängen, was als nächstes passieren würde, doch das Bild hatte sich bereits in seinen Kopf gebrannt. Von Wut zerfressen, sahen Borin und Ken mit an, wie Myron den Mann bei Seite stieß und sich die Frau schnappte. Er griff sie am Arm und packte so kräftig, dass sie aufschrie. Blitzschnell stach er spitze Knochen und die Beine der Frau und zerriss die Muskeln. Sie schrie auf und die Männer wollten eingreifen, doch die Schatten drängten sie zurück. Auch Ken und Borin wollten eingreifen, doch Tanar hielt sie fest und zog sie zurück.
„Ihr versteht das nicht. Wir haben wichtigeres zu tun, als jede einzelne Person auf unserem Weg zu retten."
Seine eigenen Worte schmerzten ihm. Er wollte den Gefangenen ja helfen, doch er konnte nicht. Er traute sich nicht mal seinen Gefährten die Wahrheit über Myron zu erzählen. Fassungslos sahen die beiden den verängstigten Halbelf an.
Wieder und wieder stach Myron mit einem breiten Lächeln im Gesicht auf die Beine der Frau ein, bis sie vom Schmerz betäubt zu Boden sank. Er stemmte seinen Fuß auf ihren Brustkorb und trat auf sie ein, bis der Brustkorb brach. Noch leicht röcheln, blieb sie am Boden liegen, dann starb sie. Der Tote sprang auf sein Ross und sagte etwas zu den Schatten, die sich sofort auf die Männer stürzten. Das Szenario glich einer Hinrichtung. Der Nekromant ritt davon und ließ die Schattenschergen alleine mit ihren Spielzeugen zurück. Nach kürzester Zeit erstarb das Geschrei der Männer und die Schatten verloren das Interesse. Anstatt weiter zu ziehen, gingen sie zurück in das Dorf und untersuchten die Hütten. Sie sprangen auf die Dächer und durchwühlten Karren. Kein Fleck wurde nicht durchsucht. Von den Schatten getrieben, wichen Tanar, Ken und Borin immer weiter ins Dorf zurück. Tanar zog seine beiden Freunde dicht an sich heran und legte eine Illusion um sie. Zu sehen waren nur noch drei Fässer an einer Holzwand. Ein Schatten kam vorbei und begutachtete die Fässer. Neugierig musterte das Hüftgroße Wesen das Versteck der drei. Zum ersten Mal konnten sie den Schatten jetzt ganz genau betrachten. Es hatte etwas Ähnlichkeit mit einem Wolf, zumindest von der Größe her und der Kopfform. Die Beine waren an der Seite des Körpers, so dass er seinen Bauch auf den Boden legen konnte und noch immer unbehindert rennen konnte. Sein Hals war etwas länger als bei einem Wolf und er hatte keine Nase. Obwohl man sie als Schatten bezeichnete, besaßen diese Tiere eine glänzende schwarze Haut. Es gab so vieles, was Tanars Interesse an dieser Kreatur weckte. Wie konnte sich der Körper, der empfänglich für physischen Schaden war auflösen und in einen Geist eindringen. Gab es Verbindungen zwischen den ganzen Schatten oder mussten sie sich Unterhalten, so wie andere Kreaturen um einander zu verstehen? Er wusste so wenig und wollte am liebsten alles erfahren. Auch wenn diese Kreaturen abgrundtief böse waren, so hegte er Interesse. Gingen sie doch nur ihrem natürlichen Treib nach, genauso wie andere Tiere es taten. Nur ihre Methoden waren weitaus brutaler.
Ein Schatten begann zu knurren und an einer Scheune zu kratzen. Sofort spitzten sich die Ohren des Schattens, der vor ihnen saß. Er sprang auf und lief zu den anderen. Sie fletschten ihre spitzen Zähne und begannen gegen das Tor zu springen. Ihr Geheul war eine Mischung aus verzerrten Gurgeln und dem Knurren eines Hundes. Als sie die kleinen Bestien hörten, lief es ihnen eiskalt den Rücken runter. Irgendetwas im Inneren der Scheune, hatte ihre Aufmerksamkeit gewonnen und sie wollten es unter allen Umständen haben. Die drei Reisenden hatten nicht mal bemerkt wie schnell doch die Zeit vergangen waren und so verschwand die Sonne hinter einem Berg und tauchte das Dorf in ein dämmeriges Licht. Angetrieben von Neugier, schmiedete Tanar einen Plan.
„Ich werde nachsehen, was sie gesehen haben. Ihr verschanzt euch auf den Dächern und helft mir, falls ich nicht unentdeckt rauskommen sollte."
Im Schutze der Dämmerung umging er die Scheune und machte sich von der Rückseite daran, aufs Dach zu klettern. Schnell fand er Halt an den Brettern und er zog sich hoch. Er musste einen kurzen Moment oben warten, bis er Ken auf einem der Dächer mit gezücktem Bogen sehen konnte. Als er sich nach Borin umsah, erblickte er eine kleine Gestalt, die sich verzweifelt anstrengte, auf das Dach zu kommen. Bei dem Anblick konnte sich Tanar ein breites Grinsen nicht verkneifen. Als auch Borin oben angekommen war und seinen Bogen bereit hatte, begann Tanar damit leise das Stroh von dem Dach zu lösen und sich so einen Eingang zu ermöglichen.
Es war dunkel und kalt. Das bisschen Stroh was hier herum lag wärmte kaum. Das unheilvolle Kratzen, unterstrichen von dem fürchterlichen Geheul regte eine grausige Fantasie in dem Kind an. Das kleine Mädchen hatte sich in die letzte Ecke verzogen und umklammerte fest ihr Stofftier. Ihre Augen waren Nass, ihre Nase lief und vom ganzen Schluchzen tat ihr der Hals weh. Mama und Papa hatten gesagt, dass sie sich versteckt halten solle und niemanden rein lassen solle. Mit einem aufmunternden Lächeln strichen sie ihr über den Kopf und sagten ihr, dass sie bald zurück seien. Lautes poltern und einige Schreie hatten sie aus der Scheune stürmen lassen. Es war nun schon ein paar Stunden her, seitdem sie raus gegangen waren. Ihr Glaube lies sie daran festhalten, dass es noch gut werden würde und obwohl die Schatten schon an dem Tor kratzten, ihre Eltern widerkämen und sie fort tragen würden. Sie verbarg ihr Gesicht in die Puppe und weinte hinein.
Etwas schlug dumpf unweit von ihr auf den Boden. Sie wollte Schreien, doch ihre Eltern hatten ihr gesagt leise zu sein, also tat sie es auch und blieb stumm. Sie begann am ganzen Körper zu zittern und sah zwischen den Holzstäben hindurch, hinter denen sie Schutz suchte.

Es war stock finster in der Scheune. Tanar hatte die Entfernung vom Dach, zum Boden falsch eingeschätzt und landete unsanft und lauter als es geplant war. Angestrengt lauschte er, ob man ihn bemerkt hatte. Noch hielt das Tor stand, doch sehr viel konnte es nicht mehr abhalten. Er begann die Scheune nach einem Hinweis abzusuchen und wühlte vorsichtig zwischen den Sachen nach einem Hinweis. Gerade als er das Gebiet magisch abtasten wollte, bemerkte er das glitzern zweier Augen, die verängstigt zu ihm herüber starrten. Sie hatten sich in die hinterste Ecke, hinter einigen Holzstangen und Karren verzogen und verschwanden, als ihnen auffiel, dass sie bemerkt wurden. Vorsichtig umging Tanar den Karren und sah auf das verängstigte kleine blonde Kind vor sich. Dicke Tränen kullerten über ihre blassen Wangen. Ein tiefes Schluchzen und ein leises Wimmern ging von dem Mädchen aus.
„Ganz ruhig, was machst du hier?"
Das zierliche Mädchen beruhigte sich etwas, als es die Stimme Tanars hörte.
„Meine Eltern und die anderen sind draußen. Schatten sind uns gefolgt. Meine Eltern meinten ich soll mich hier verstecken."
Ein Schaudern durchlief den Halbelf. In der Gruppe, die draußen abgeschlachtet wurde, waren die Eltern des Mädchens gewesen. Das Tor begann bedrohlich zu knirschen, als sich einer der Schatten dagegen warf. Tanar spielte mit dem Gedanken, das kleine Kind zurück zulassen und schleunigst zu verschwinden, doch er konnte es nicht übers Herz bringen. Es war auf seine Hilfe angewiesen, anderenfalls würde es wie ihre Eltern enden.
„Na los komm. Ich bringe dich in Sicherheit."
Das Kind wollte seine Hand weg drücken und auf die Eltern warten. Mit einmal Schrie es panisch auf. Tanar spürte, wie ihn etwas Hartes am Kopf traf und ihn zur Seite beförderte. Einer der Schatten hatte sich in die Scheune geschlichen und bäumte sich nun vor dem Mädchen auf. Verloren saß das Mädchen vor der Gestalt und klammerte sich an die Puppe. Ein lila Leuchten erschien verschwommen vor Tanars Auge. Mit einem Druck schoss das Licht als Strahl gegen den Schatten und ließ ihn sterbend am Boden liegen. Als sich Tanars Blick wieder klärte, sah er wie das Glimmen in der Puppe erstarb. Die ohnehin wilden Schatten vor dem Tor, jaulten plötzlich kläglich auf. Sie knurrten und wichen langsam von dem Tor fort. Ein Surren, gefolgt von einem weiteren Aufschrei. Sofort wusste Tanar, dass Borin und Ken das Feuer eröffnet hatten. Er hörte wie sich die Schatten versuchten zu verstecken oder die Flucht ergriffen.
Es kehrte Ruhe ein.
Tanar richtete sich wieder auf und ging zu dem kleinen Mädchen rüber, das jetzt noch kleiner wirkte. Neugierig musterte er die Puppe aus der das Schimmern trat. Ein Geheul ertönte. Genervt drehte sich Tanar um und blickte durch das schwer beschädigte Tor.
„Haben die denn immer noch nicht genug?", fragte sich Tanar laut.
Es klopfte an dem Tor. Die Stimme von Borin drang herein.
„Los schnell komm raus! Sie sind weg."
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Geändert von FegeFeuer (22.11.2012 um 21:01 Uhr)
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Teil 16

Tanar schnappte sich das Mädchen, nahm es auf den Arm und rannte zum Tor. Er hob den massiven Holzriegel an, so dass Ken und Borin das Tor öffnen konnten. Verwundert sahen sie Tanar an, als sie ihn mit dem Kind auf den Arm sahen. Sie hatte einen Arm um seinen Hals gelegt um sich festhalten zu können, mit der anderen Hand umklammerte sie die Puppe.
„Jetzt schon Papa geworden? Wie heißt sie denn?", fragte Borin leicht lachend.
Tanar schnaubte nur kurz und wollte an ihm einfach vorbei gehen, doch das Mädchen antwortete selbständig, auch wenn es nur knapp war.
„Sheela."
Die Kleine war müde und lehnte sich mit ihrem Kopf gegen Tanars Schulter.
„Erkläre mir lieber wieso da auf einmal ein Schatten in der verdammten Scheune war!", fuhr Tanar ihn schief an.
„Tut uns leid. Wir haben zu spät mitbekommen, wie eines dieser kleinen Biester dir übers Dach gefolgt ist. Als wir den Lärm aus dem Inneren gehört haben, haben wir sofort das Feuer auf die anderen eröffnet. Wir sollten jetzt dennoch verschwinden. Was immer so gebrüllt hat, wird sonst gleich hier sein.“
Plötzlich flog ein Karren durch die Luft, direkt auf sie zu. In dem Hauch einer Sekunde, hielt Tanar seine Hand in Richtung des fliegenden Geschosses und hielt es auf. Mit der Bewegung des Handgelenkes, ließ er den Karren in ein Haus krachen. Gerade als er sich die Frage stellen wollte, wer sie angegriffen hatte, stürmte ein Schatten um die Ecke. Mit weit aufgerissenen Augen starrten sie dem riesigen Ungetüm entgegen. Es war keines von den kleinen Viechern, wie bisher, sondern ragte fast bis zu den Giebeln der Häuser.
„Scheiße!", brüllte Ken und warf sich zusammen mit den anderen hinter ein Haus, weil das Monster sie einfach überrennen wollte. Die Kreatur konnte nicht so schnell reagieren und konnte nicht direkt wenden. Im vorbei laufen peitschte der Schwanz von dem Schatten durch das Haus und ließ es Holzsplitter regnen. Schützend hielten sie sich die Arme über den Kopf.
„Versteck das Mädchen, wir übernehmen hier."
Sofort sprang Tanar auf und stürmte durch die engen Gassen hinter die Häuser. Er lief ein Stück weiter und öffnete vorsichtig die Tür eines Hauses am Rand der Siedlung. Auch wenn er mit seinem Auge nur Umrisse sehen konnte, so half ihm sein magisches Wissen, alles genauestens zu erkennen. Als er sich versichert hatte, dass das Haus auch wirklich leer war, setzte er das Mädchen ab. Er schnappte sich eine Decke und legte es der frierenden Sheela um.
„Keine Angst. Ich bin gleich wieder da."
Als das Mädchen begann zu weinen, verstand er erst, was los war. Natürlich hatte sie Angst, denn genau diese Worte hatten ihre Eltern auch benutzt. Er gab ihr fürsorglich einen Kuss auf die Stirn und wischte ihr die Tränen weg.
„Versprochen!"
Er drehte sich um, verschloss die Tür wieder und vergewisserte sich, dass ihn niemand gesehen hatte. Einige Häuser weiter, hörte er das wilde Gebrüll der Bestie, wie es wild um sich schlug und nach den kleinen Männern gierte. Tanar schlich sich hinter den Häusern heran und kletterte dann auf eins, um eine bessere Position für einen Angriff zu haben. Ruhig wartete er, bis der Schatten dicht an dem Haus war. Er spannte seinen Bogen und sprang. Im Flug ließ er die Sehne los. Gezielt landete der Pfeil hinter den Ohren. Der Schatten jaulte auf und bäumte sich zum Himmel empor, genau wie Tanar es erwartet hatte. Er ließ seinen Bogen fallen und landete auf dem Wesen. Schnell zog er sein Schwert und rammte es in den Rücken. Mit Entsetzen stellte er fest, dass es nicht Liathan war, sondern nur ein normales Schwert und so blieb der erwartete Effekt aus. Der Schatten schüttelte sich einmal kräftig und Tanar flog von dem Rücken und krachte schwer auf eine Kiste. Eine Staubwolke legte sich um ihn. Der Staub des vertrockneten, alten Getreides lag wie ein Mantel um ihn und raubte ihm die Sicht. Als er wieder etwas sehen konnte, sah er, wie das Monstrum direkt vor ihm stand und dabei war, ihn mit einem Schlag zu zerstampfen. Ken kam von der Seiter her angerannt, ließ sich auf die Knie fallen und rutschte direkt zwischen Tanar und den Schatten. Er spannte seinen Bogen und schoss der Bestie in den Hals. Verdutzt von der kleinen Kreatur, wich der Schatten ein paar Schritte zurück und bemerkte den Zwerg nicht, der nach den Versen schlug. Das riesige Viech brüllte auf und verfiel in einen Blutrausch. Es begann sich wild umher zu drehen und versuchte die Drei mit seinem Schwanz auf Abstand zu halten. Blind zerschlug es alles, was in seine Reichweite kam.
„Das Biest ist vollkommen außer Kontrolle!", brüllte Borin verzweifelt, „Wie soll ich denn mit meinem Schwert da ran kommen?"
Alles wäre viel leichter, hätte er Liathan, dachte sich Tanar.
„Dann halt mit Magie.", antwortete ihm Tanar und stürmte in das wirbelnde Tier.
Immer wenn ein Körperteil des Monsters in seine Reichweite kam, beschwor er ein Schild oder eine einfache Steinwand um es zu blocken. Aus seinen Händen schossen kleine Eisgeschosse mit zerstörerischem Ausmaß. Doch außer kleineren Wunden, verärgerte es das Monster bloß nur noch mehr. Ihr tödlicher Tanz wurde immer schneller und Borin und Kenvelo verloren komplett den Überblick. Ein Schlag genügte und Tanar verlor den Boden unter den Füßen. Als er sich umblickte, merkte er, dass er die Wand eines Hauses durchbrochen hatte und nun unter Holz und Steinen eingeklemmt lag. Er versuchte aufzustehen, doch außer seinen Armen konnte er nichts bewegen. Wütend griff er nach seinem Schwert, welches direkt neben ihm lag. Er hob es auf und stellte enttäuscht fest, dass es gebrochen war. Langsam schritt die Bestie auf ihn zu. Als sie näher kam und genüsslich Tanar betrachtete, ertönte ein Schrei aus dem Haus. Es war das kleine Mädchen Sheela, welche Tanar hier versteckt hatte. Als der Schatten sich ihr zuwenden wollte, hob Tanar das gebrochene Schwert an und rammte es dem Wesen immer wieder in die Schnauze. Blut tropfte aus den Öffnungen. Gepackt von dem Verlangen nicht noch jemanden hier sterben zu lassen, ließ er sich von der Macht des Ersten durchfluten. Alleine die Aura reichte aus um die Gegenstände weg zu sprengen. Als er merkte, dass er mit seiner Kraft auch die Kleine verletzten könnte, verschloss er die Magie wieder. Er wühlte sich durch das Gerümpel, schnappte sich Sheela und zog sie aus dem Hinterausgang heraus, bevor der Schatten überhaupt verstand, was gerade passiert war.
Zornig zerschlug der Schatten die Hütte. Er hatte seine Beute sicher in die Enge getrieben und doch konnte die Beute sich befreien. Während das Monster sich über seine eigene Dummheit aufregte, lief Tanar zu seinen Freunden.
„Wir müssen hier weg, in seinem Wahn wird bald kein Haus mehr stehen."
Sofort liefen sie die Straße entlang, doch bevor sie hinter etwas verschwinden konnten, verstand der Schatten was sie vorhatten. Hasserfüllt sprang er den Flüchtenden hinter her. Die Straße machte einen Knick. Im Eiltempo bogen sie ab und sahen in die angespannten Mienen von drei Männern. Die drei Männer waren in einer schwarz roten Robe gekleidet. Auf der Brust trugen sie das Abbild eines Buches mit einem goldenen Schriftzug und dahinter ragte eine offene Hand empor. Tanar erkannte das Wappen der Erben der Weisen und versuchte die drei Kampfmagier zu beruhige.
„Halt! Wir sind keine Befallenen."
Mehr konnte er nicht sagen, denn in diesen Moment kam der Schatten um die Ecke gesprungen. Blut tropfte aus jeder seiner Wunden, doch es wurde nur noch angetrieben von dem unstillbaren Verlangen, die kleinen Kreaturen zu töten. Augenblicklich verstanden die drei Magier worum es hier ging und so richteten sie ihre Hände auf den Schatten. Zusammen sprachen sie die gleichen Wörter und ein Muster aus Runen und Wörtern erschein auf den Boden um sie. Der Magier in der Mitte hob seinen Arm, während die beiden äußeren weiter den Zauber wirkten. Eine gigantische Faust bildete sich über ihm ab und als er nach vorne Schlug, raste die magische Faust auf den Schatten zu. Das Monster versuchte auszuweichen, doch der Zauber erwischte es noch leicht an der Seite. Es geriet ins Straucheln und schlug auf den Boden auf.
„Haltet diese Bestie irgendwie fest! Wir können nur noch einen weiteren Schlag ausführen!“
Die Anweisung des Magiers der Erben war eindeutig und ohne zu zögern setzte Tanar das Mädchen ab, sprang nach vorne und beschwor eine Lichtbarriere herauf, wie er sie auch damals gegen Thul-Daer benutzt hatte. Er hatte damals diese Barriere gegen den gleichen Zauber der drei Magier benutzt, nur das der Zauber des Dämons um ein vielfältiges stärker war und er ihn häufiger benutzen konnte. Diesmal jedoch richtete er die Lichtbarriere nicht gegen die Faust, sondern presste das Schild von oben auf den am Boden liegenden Schatten. Verzweifelt versuchte sich das Monster wieder aufzurichten, doch die Barriere presste ihn mit voller Wucht in den Boden. Der Magier holte erneut zum Schlag aus, während der Schatten wie wild brüllte und das Schild unter der geballten Wut zu zittern begann. Als die Faust nach vorne zischte und direkt vor dem Schild war, ließ Tanar seinen Zauber verfallen und die ganze Wucht des magischen Schlages traf den Schatten. Es ertönte ein ekliges Knacken, als der Schatten zerstampft wurde und einen Fleck aus Blut und Fleisch hinterließ. Erschöpft sanken die Magier zu Boden. Sie waren mit diesem Zauber an die Grenzen ihres Könnens geraten. Nachdenklich dachte Tanar an den Tag auf der Dornenfeste zurück. Der Tag, an den Taruka sein Leben für ihn gelassen hatte. Fast so als wäre der Zauber ein Kinderspiel, hatte der Dämon die magische Faust herauf beschworen und ihn unter ein Hagel von Schlägen zu Boden gebracht. Erst jetzt, wo Tanar gesehen hatte, dass drei ausgebildete Kampfmagier gerade mal im Stande waren zwei Fäuste hinter einander zu benutzen, verstand er, was für eine Kraft dafür nötig war. Tanar und seine Freunde halfen den Magiern wieder auf. Benommen schwankten sie, bevor sie sich wieder fassten. Etwas zupfte an Tanars Seite und als er herunter sah, erblickte er Sheela. Sie streckte ihre Arme aus, so dass sie Tanar zu verstehen gab, dass er sie wieder auf den Arm nehmen sollte. Ohne ein Widerwort hob er die Kleine hoch.
„Echt ein Glück, dass ihr genau in diesen Moment kamt.“
Die Magier wirkten noch immer etwas benommen, doch es ging ihnen schon deutlich besser.
„So gesehen hatten wir Glück, dass ihr so gute Vorarbeit geleistet habt.“, antwortete der Magier, „Ich bin Elisir, Erbe der Weisen, wir sind auf der Suche nach einem Teil der Versiegelungsurne für den Schatten.“
Tanar öffnete die Puppe von Sheela an der Naht, ohne dass sie es merkte. Es fiel ihr schwer die Augen offen zu halten, weil sie so müde war. Mit seiner Hand suchte Tanar kurz und zog dann die Schuppe von den Amethystdrachen heraus.
„Dann ist es bestimmt das, was ihr sucht?“
Erleichtert nahm der Magier die Scherbe entgegen und verstaute sie sorgfältig in seinem Beutel.
„Ihr habt uns wirklich sehr geholfen.“, Elisir kniff seine Augen leicht zusammen, „Wartet, ich kenne euch doch.“
Der Magier musterte ihn scharf. Für einen Moment glaubte Tanar, dass der Magier den Fürsten Alexandar in ihm sah, doch dann viel der Magier auf die Knie.
„Der verloren geglaubte König kehrt zurück. Man ist davon ausgegangen, dass ihr bereits tot seid.“
Jetzt vielen auch die anderen beiden Magier auf die Knie um den Großkönig ihre Anerkennung zu zollen.
„Steht bitte wieder auf, es gibt kein Königreich mehr.“, sagte Tanar niedergeschlagen.
„Ihr wart ein Symbol der Stärke und Zuversicht, für ganz Aaganien, nicht nur für die Menschen.“, der Magier Elisir zog sich die Kapuze vom Kopf und offenbarte zwei spitze Ohren, „Wir Elfen wurden genauso schnell überrannt wie das menschliche Königreich. Wir hatten keine Chance, obwohl wir versucht haben sie zu warnen sind nur wenige unseren Rufen gefolgt. Als ihr verschwandet, gab es nur wenige die ihre Hoffnung nicht aufgegeben hatten. Bringt uns allen wieder Hoffnung, so wie ihr es schon mal geschafft habt.“
Tanar drehte sich von ihnen ab und kümmerte sich um Sheela. Sie war vor Erschöpfung eingeschlafen und wimmerte leise. Wahrscheinlich war sie gerade dabei den ganzen Schrecken zu verarbeiten.
„Nicht ich bin es, der in der Prophezeiung auftaucht, sondern meine Kinder.“
„Die Prophezeiung ist nur ein in Stein geschriebener Spruch. Er erinnert uns nur daran, dass es Hoffnung gibt. Was ist jedoch mit dem Vater der Prophezeiung? Glaubst du die letzte Seite deines eigenen Buches zu kennen? Deine Geschichte wird mit deinen Entscheidungen geschrieben und du kennst sie erst, wenn es so weit ist. Sie muss nicht mit Hass und Trauer geschrieben sein, was ist mit Hoffnung und Liebe? Selbst wenn es bis zur letzten Seite aussichtslos scheint, die Wendung kann auch noch im letzten Moment kommen.“
Elisir stellte sich neben ihn.
„Komm mit zu unserem Lager und bringe uns wieder etwas Hoffnung. Du musst nicht mal lange bleiben, aber tu es für dein Volk!“
Tanar schnaufte laut, dann willigte er ein. Es lag an ihm, die Zwillinge und alle anderen bis zu dem Zeitpunkt zu beschützen, an dem seine Kinder dafür bereit waren. Nein, der Magier der Erben hatte Recht. Es war sein Leben und er würde seine Geschichte mit dem Schatten enden lassen und nicht seinen Zwillingen diese Bürde aufbinden.
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Teil 17

Es war spät, als sie einen kleinen Höhleneingang erreichte. Immer wieder hatten sie Umwege in Kauf genommen, um mögliche Verfolger abzuhängen. Es waren erbärmliche Zustände, unter denen die Überlebenden hier hausten. Ihre Gesichter waren traurig und blass. Sie saßen eng aneinander gekauert und tauschten nur selten ein paar Worte. Dieser Anblick war in keiner Weise vergleichbar mit dem Zustand bei den Zwergen. Auch wenn den Zwergen der Kontakt zur Erdoberfläche fehlte, so hatten sie trotzdem noch voll funktionsfähige Städte, in denen Ordnung herrschte und das normale Leben zum größten Teil fortgeführt werden konnte. Hier jedoch lebten die Überlebenden zusammen gekauert in einer kleinen Höhle, die nicht den kleinsten Komfort bot. Eine alte Frau richte als erstes ihren Blick auf die Neuankömmlinge. Für die Anderen hatte es keine Bedeutung mehr, ob die Magier der Erben wieder kamen, sie hatten mit ihrem Schicksal abgeschlossen. Auf zittrigen Beinen kam die Alte auf Tanar zu und packte ihn am Gelenk. Zuerst dachte er, sie wollte ihm Sheela entreißen, doch dann sah er eine Träne in ihrem Auge. Es war eine Träne des Glückes, die über ihre alte Haut kullerte.
„Großkönig Tanar. Ich habe davon geträumt, dass ihr zurück kommt und uns von dem Leiden erlöst."
Als die restlichen Verbliebenden die Worte der Frau hörten, sahen sie erwartungsvoll auf. Ihre Blicke durchbohrten den König und alleine seine Anwesenheit brachte ihnen etwas Hoffnung. Einer der Kampfmagier zog die Frau leicht von Tanar fort, da Elisir sie in einen getrennten Raum führen wollte. Die beiden anderen magier redeten aufmunternd auf sie ein und erzählten ihnen die Geschichte. Die alte Frau gluckste fröhlich, als man ihr all ihre Fragen beantwortete und versprach, das Tanar sie alle hier rausholen würde. Ein leichter Vorhang trennte Tanar, Elisir und seine Freunde von den anderen lebenden. Elisir zeigte auf einen Stuhl und Tanar setzte sich hin. Auf seinem Arm wachte Sheela auf, die sich verschlafen umblickte und sich die Augen rieb. Der Magier ging zu einer Truhe, zog einen Schlüssel aus seinen Gewändern und öffnete sie. Er holte einen Beutel hervor und breitete den Inhalt auf dem Tisch vor Tanar und seinen Freunden aus. Es waren einige Scherben, in blau, lila und rot. Erst als Elisir die Schuppe aus Sheelas Puppe dazu packte, verstand er was das für Scherben waren.
„Ist das die komplette Urne?"
„Nicht ganz. Uns fehlt ein letztes Stück. Wir sind eher durch Zufall auf den ersten Splitter gestoßen und haben dann angefangen die restlichen zu suchen."
Er räusperte sich und ordnete die Scherben etwas.
„Wir wissen wo das letzte Stück ist, haben es bisher jedoch nicht geschafft dorthin zukommen. Und selbst wenn wir alle Scherben haben, können wir sie nicht so einfach zusammenfügen."
Tanar wollte sich die ganzen Details mit der Urne und alles was mit dem versiegeln zutun hatte nicht nochmal anhören und unterbrach ihn.
„Ja, ich weiß. Um sie zu verbinden brauchen wir die Drachen. Aber trotzdem brauchen wir erst mal die Splitter und dann sollten wir uns darum sorgen machen. Also wo ist das letzte Stück?"
Elisir verstaute die Scherben wieder in dem Beutel und verschloss es in der Truhe.
„Es könnte ein kleines Problem geben bei der Beschaffung."
Der Magier versuchte die richtigen Worte zu finden, doch er wusste nicht wo er ansetzen sollte.
„Ich weiß nicht wie viel ihr schon mitbekommen habt, deswegen fange ich einfach mal an. Als das Chaos ausbrach, gab es nur wenige die unserem Ruf folgten. Der Schatten fiel in den Städten ein und verdarb die Geister der Schwachen. Ich und die anderen Mitglieder haben es sich zur Aufgabe gemacht, die verbliebenden zu schützen. Es gibt jedoch einige die dieses Chaos begrüßen. Es gibt niemanden der noch Gesetze durchsetzt, also halten sie sich auch an keine Grundlagen. Ein Dieb und Mörder hat sich zu einer Art Herrscher ernannt und regiert in der Nähe von Suthur. Sie verstecken sich im Untergrund vor dem Schatten und überfallen Flüchtlinge. Es ist leicht die Splitter ausfindig zu machen, ihre Magie versprüht eine gewisse Aura, die Kraft spendet. Die Art von Kraft, die der Schatten nicht wahrnimmt und ohne es zu merken meidet. Ihr müsst uns helfen die letzte Scherbe von diesem falschen König zurück zu holen. Ich verspreche auch, dass wir auf eure Tochter aufpassen und ihr nichts passieren wird."
Elisir zeigte auf Sheela, die noch immer auf seinem Schoß saß.
„HA!", brüllte Borin mit einmal auf, so dass alle erschraken, „Ich bin nicht der einzige der der Meinung ist, dass sie deine Tochter ist."
Tanar, Ken und auch der Magier Elisir mussten lauthals Lachen. Es war einer dieser Momente, die auch Kallon immer ausgezeichnet hatten. Die richtigen Worte in einer schweren Zeit. Die Worte, die einem zeigten, dass sich das Leben mehr lohnte, wenn man Spaß dabei hatte.
„Anscheinend hattest du doch Recht.", gab Tanar zu.
Er sah das kleine Mädchen freundlich an, die nicht so recht verstand, warum alle um sie herum lachten.
„Also gut, wir werden euch helfen. Nicht nur weil diese Scherbe auch in unserem Interesse ist, sondern weil dieser Dieb und Mörder zur Rechenschaft gezogen werden muss. Wenn wir die Scherbe jedoch haben, bedarf ich auch eurer Hilfe. Ich muss nach Aiwah und mir etwas zurückholen, was mir gehört."
Der Magier nickte nachdenklich.
„Also gut! Ich vertraue auf euch und eure Fähigkeiten. Wenn ihr bereit seid, können wir innerhalb der nächsten Tage aufbrechen."
Tanar schaute sich in der kargen Höhle um. Das Gestein war feucht, genau wie die Luft. Ein perfekter Nistplatz für Schimmel und ähnliches.
„Meinst du nicht, dass es möglich wäre diese Menschen und Elfen zu den Zwergen zu schicken? Es ist mir klar, dass es auch so schon genügend Probleme mit der Versorgung gibt, doch dafür wird es sicherlich eine Lösung geben."
Nachdenklich kraulte Borin sich durch den Bart. Er war zwar in der Lage vorerst Entscheidung zu treffen, doch mit Sicherheit konnte er nichts entscheiden. Noch konnten solche Entscheidungen nicht durch ihn und oder Kallon gefällt werden, denn noch galt das Wort des Rates in solchen Angelegenheiten.
„Ich kann nichts garantieren, wir müssten einen Boten schicken. Jemanden, der das alles abklärt. Wenn wir jetzt einfach alle Flüchtlinge auf meinen Befehl los schicken, würde Kallon sie nicht ablehnen, doch es würde wahrscheinlich von dem Rat negativ ausgelegt werden und ihn nur schwächen."
Ihr Gespräch zog sich unweigerlich in die Länge und sie merkten gar nicht, wie spät es wurde. Noch in derselben Nacht beschrieb Borin einem Boten den direkten Weg zu einem der Höhleneingänge, damit dieser sich unverzüglich auf den Weg machte. Man zeigte Tanar und seinen Gefährten einen Platz, wo sie es sich gemütlich machen konnten um die Nacht zu verbringen.
Unzufrieden mit der Position, rutschte Tanar wild umher und versuchte sich seinen Schlafsack so auszulegen, dass der unebene Boden einigermaßen bequem war. Sheela hatte drauf bestanden, heute Nacht bei ihm zu schlafen. Nachdem sie nach ihren Eltern gefragt hatte und Tanar sich vorsichtig an dieses Thema heran getastet hatte, war sie in Tränen ausgebrochen. Dieser Zustand dauerte einige Zeit an, bis sie vor Erschöpfung einschlief. Es war furchtbar ungerecht. Das Elend und all dieser Schmerz, den es auf der Welt gab. Die kleinen Augen gefüllt mit dicken Tränen. In einem solch jungen Alter sollte man nicht seine Eltern verlieren. Es tat ihm im Herzen weh, dass er zugelassen hatte, das Myron die Gruppe abschlachtete und er währenddessen zugesehen hatte. Er versuchte sich einzureden, dass er ihnen nicht helfen konnte, doch er wusste, dass es nur seine Angst war, die aus ihm sprach. Wie sollte er den Schatten aufhalten, wenn er nicht mal diesen Totenbeschwörer töten konnte. Es musste eine Möglichkeit geben, ihm die Unsterblichkeit zu nehmen, doch Tanar wusste nicht wie. Der Einzige der das Geheimnis kannte, war der Anwender selber und der würde ihm es niemals verraten. Mit offenen Augen starrte er an die Decke.
„Darf ich dich mal was Fragen?", flüsterte eine Stimme von der Seite.
Tanar drehte seinen Kopf um Ken anschauen zu können.
„Was denn?"
„Hast du keine Angst vorm Sterben? Seitdem ich mit dir Unterwegs bin, sah es nie so aus als du Angst davor hättest."
Tanar versuchte ihn deutlich zu erkennen, doch es war viel zu dunkel.
„Hast du nicht gesehen, wie ich mich in dem Dorf gefürchtet habe. Die Gruppe ist gestorben weil ich Angst hatte."
„Es war der Reiter vor dem du Angst hattest, nicht vor dem Sterben. Er war auch damals in Aiwah, als die Stadt von dem Schatten überrannt wurde. Seit dem wir los sind, habe ich Angst zurück zu reisen, doch dir scheint es nichts auszumachen. Der einzige Grund warum ich mitreise ist, weil ich glaube, dass es richtig ist dir zu helfen."
Ruhig hatte Tanar zugehört. Früher hatte er sich wirklich keine Gedanken darüber gemacht, doch seit seinem Kampf mit Myron hatte sich das schlagartig geändert.
„Natürlich habe ich Angst vor dem Sterben. Ich habe mir gerade in letzter Zeit oft den Kopf darüber zerbrochen. Es ist eine schwierige Zeit und ich erwarte Kinder. Als ich so schwer verwundet wurde, habe ich Angst gehabt. Ich hatte Angst dass ich meine Kinder niemals sehen würde und meine Frau im Stich lasse. Wenn du so dicht vor dem Tod stehst, wird dir erst alles klar. Plötzlich endet alles vor deinen Augen. Du hattest klare Ziele und im nächsten Moment bleibt all das zurück. Und was dann? Nichts! Niemand weiß was dann ist. Gibt es überhaupt solch einen Zustand nach dem Tod, dass man noch etwas weiß oder spürt? All die Leute die du zurück lässt. Mich fressen diese Gedanken innerlich auf, einfach verschwunden zu sein. Hoffnungen und Versprechen. Sie fallen einfach von deinen Schultern. Entweder auf den Nächsten oder sie verpuffen, genau wie der Gedanke anderer an dich, doch ich muss es tun. Es gibt so viele die ich nicht enttäuschen möchte und die eine gute Welt verdient haben."
Kenvelo grübelte. Er rutschte sich zurecht und legte sich bequem hin.
„Und genau deshalb weiß ich auch, dass es richtig ist dich zu begleiten."
Auch wenn Tanar es nicht sehen konnte, so merkte er wie Ken eine Last vom Herzen fiel. Es war die Art, wie er sprach, an der er es erkannte, denn er drehte sich zufrieden um und konnte einschlafen. Auch Tanar tat es gut, sich seine Ängste ein zugestehen, weil es ihm so wie alle anderen ging. Es war in Ordnung sich dies einzugestehen, denn es machte keinen schlechteren Menschen aus ihm. Nein, im Gegenteil, es machte sie nur noch stärker.

Schlaftrunken rieb er sich seine Augen. Es war Elisir der ihn geweckt hatte. Sie wollten möglichst früh aufbrechen um wenigstens im Schutze der Dunkelheit das Versteck zu verlassen um die anderen nicht zu gefährden. Sie schnürten sich ihre Rucksäcke zusammen und packten ihre Sachen. Als er sich seine Rüstung anlegte, zuckte er kurz zusammen. Die Kälte des leichten Stahls drang sofort durch seine Kleidung und grub ihre eisigen Zähne in seine Haut. Als alles fest verschnürt war, nahm er den Rucksack auf und warf sich einen Mantel über dem Körper. Leise kniete er sich neben Sheela und streichelte ihr über die Kopf. Benommen rieb sie sich die Augen und blickte ihn durch ihre kleinen blauen Augen an.
„Wo willst du hin?", nuschelte sie.
„Ich muss leider weiter."
Bevor er weiter erzählen konnte, sprang sie auf und klammerte sich an ihm fest.
„Ich will mit.", beschloss sie kurzer Hand.
Tanar musste leicht grinsen.
„Du kannst aber nicht mit. Ich muss leider zu Orte reisen, die nicht sicher sind. Der Bote wird bald zurückkommen und euch zu den Zwergen bringen. Dort wirst du sicher sein, also hab keine Angst."
Traurig spielte sie an einer Nische von Tanars Rüstung rum.
„Ich hab keine Angst, aber Zwerge sind komisch."
Sie hatte ihre Stimme wieder gesenkt und hörte sich nun so an, als wäre sie kurz vor dem Weinen. Tanar hörte wie hinter sich Ken leicht lachen musste und gleichzeitig Borin verärgert schnaufte.
Suchend griff Tanar nach seiner Seite und knotete etwas ab. Es war ein feines Tuch, welches er sich Fest an seinen Gurt gebunden hatte.
„Hier, nimm dies als versprechen mit, dass ich zurückkommen werde. Wenn du bei den Zwergen bist, dann lass dich zu einer Elfin namens Alyda bringen. Es ist ein Geschenk von ihr, doch ich glaube dass es eher für dich vorbestimmt war. Bleib bei ihr, bis ich wieder komme."
Schluchzend nahm sie das Tuch an und umarmte ihn dann. Tanar ging zu einem der Erben, der die Gruppe zu den Zwergen begleiten sollte und drückte ihm ein Brief in die Hand.
„Sorg dafür das das Mädchen zu einer Elfin namens Alyda kommt und überreiche ihr diesen Brief.“
Er dankte dem Erben und verließ zusammen mit Ken, Borin und Elisir die Höhle. Sie verschwanden schnell in der Dunkelheit, denn wieder jeder Abschied wurde er nur umso schlimmer, je länger er dauerte.
Borin trat neben Tanar und schnaufte laut.
„Na ja, sie hat aber irgendwie recht."
Fragend hob Tanar die Braue an.
„Du weißt schon! Das wir Zwerge komisch sind!"
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Über 5.000 Hits mit meiner ersten Geschichte "Die Legende von Tanar"

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Geändert von FegeFeuer (07.12.2012 um 16:01 Uhr)
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gleich noch ein teil hinterher

Teil 18

Vorsichtig schlichen sie vor, um einen besseren Blick zu bekommen. Dicht an den Boden gepresst, krochen sie den kleinen Hügel herauf. Er war überhäuft von Sträuchern und Büschen. Als sie endlich gut sehen konnten, erstreckte sich vor ihnen ein kleines Tal. Es war eine der vielen Mienen in Aaganien, aus denen erst seit kurzer Zeit wertvolle Edelsteine oder Mineralien gewonnen wurde. An Hand der kargen Landschaft und dem weißen Ton erkannten sie sofort das es sich um Salz handelte. Im Tal standen keine Sträucher mehr nur einzelne größere Brocken hätten etwas Schutz bieten können. Ein paar Menschen an Ketten wurden durch die schneeweiße Landschaft geführt. In abgetragenen Lumpen wurden sie zurück in die Salzbergwerke getrieben, um weiter zu arbeiten. Ihrer Gesichter waren aufgerissen und weiß vom ganzen Salz. Sie lechzten nach Wasser, was es kaum für sie gab.
„Wir brauchen einen Plan wie wir dort rein kommen. Am besten unbemerkt."
Weiter hinten sahen sie eine Gruppe von vier Leuten. Es waren zwei Sklaventreiber die einen Sklaven misshandelten. Obwohl er versuchte sich zu wehren, waren die Ketten zu schwer für ihn. Die schwere Arbeit hatte ihm die letzten Reserven geklaut. Eine Frau saß daneben und sah alles mit an. Sie blickte verängstigt auf den Boden, denn anscheinend war sie diesen Umgang schon gewohnt und hatte es aufgegeben sich dagegen zu wehren, denn wer würde ihnen schon helfen? Etwas stellte sich vor sie. Sie hob nicht mal den Blick an um ihn zu erkennen, sondern wartete bis eine Hand ihr grob ins Gesicht griff und ihr den Kopf anhob, so dass sie es sehen konnte. Gierig biss er sich auf die Zähne.
„Und was meinst du, haben wir noch genug Zeit?"
Er strich ihr übers Gesicht und ließ seine Hand langsam zu ihren Brüsten wandern. Ihre Augen zitterten, doch sie blieb stumm.
„Wenn wir wollen haben wir den ganzen Tag Zeit.", lachte der andere zurück.
Er stellte sich neben die Frau und sah seinem Kumpel zu, wie er sich daran machte ihre die Kleider vom Körper zu reißen.
„Aber mach schnell! Ich will auch!"
Sie hörten wie jemand auf sie zu schritt. Ganz langsam. Breit grinsend drehte sich der eine Schänder wieder um.
„In deiner Verfassung kannst du die Kleine nicht beschützen, lass es doch einfach und bleib in dem Staub liegen, während wir sie beglücken."
Erschrocken starrte er in zwei Hasserfüllte Augen.
„In meiner Verfassung werde ich euch mit Leichtigkeit in Stücke reißen!"
Eine Hand packte ihn kräftig am Hals und zerdrückte ihm die Atemwege. Er quiekte nach Luft und kratzte verzweifelt an den Händen des Angreifers. Er hatte den am Boden liegenden Gefangenen erwartet und nicht einen Fremden. Tanar verstärkte seinen Griff etwas und brach ihm das Genick. Diese Macht über Leben und Tod. Ein Gefühl, was jeden berauscht hätte, doch er unterdrückte es. Es war wie das Gefühl ein kleines Insekt zu zertreten und genau wie solche sah er die beiden auch. Wertlos. Sie hatten in seinen Augen keine Lebensberechtigung mehr. Der andere ließ von der Frau ab und hob seinen Speer auf. Hinter Tanar sah er jedoch Elisir und Kenvelo stehen und entschied sich dagegen sie direkt anzugreifen.
„Ihr Idioten! Wir werden euch töten!"
Er wollte sich umdrehen und in die Mienen laufen.
Zu spät erkannte er den Zwerg und so traf ihn der Schaft des Schwertes im Gesicht. Der Mann schrie vor Schmerzen auf, denn der Schlag hatte ihm die Nase gebrochen. Er geriet ins straucheln und presste seine Hand ins Gesicht um das Blut aufzufangen. Nach einem kurzen Moment des Schreckens rannte er zur Seite los und versuchte einen Weg zurück zu den Mienen zu finden. Der Zwerg griff in seinen Beutel und zog ein Seil hervor. An den beiden Enden waren Steine als Gewicht befestigt, die wie eine Schlinge funktionierten, sobald sie sich um etwas schlangen. Borin warf es dem Schänder nach und traf ihn am Hals. Effektiver wäre es, hätte er die Beine im Laufen gefesselt, doch es erfüllte seinen Zweck und riss den Schänder zu Boden. Er schluckte schwer, als das Seil sich um den Hals schnürte und rutschte dann durch den Dreck. Hektisch löste er die Schlinge und wollte wieder aufstehen, doch Borin hatte sich bereits vor ihm gestellte und ein vorbei kommen unmöglich gemacht. Als er zu den Zwerg aufsah erkannte er, das dieser seinen Speer in der Hand hielt.
„Und was meinst du, haben wir noch genug Zeit?"
Die Frage des Zwerges galt nicht ihm, sondern der Person die sich dazu stellte.
„Wenn wir wollen haben wir den ganzen Tag Zeit."
Kam die Antwort von Tanar.
Mit einem bösen Lächeln im Gesicht stach Borin den Speer in die Beine des Mannes. Der stechende Schmerz zog sich von den Beinen bis hoch in den Brustkorb. Anfangs fühlte es sich wie der eiskalte Biss eines Tieres an, welches seine spitzen Zähne in seinem Fleisch vergrub, doch mit jedem erneuten Stich wurde das Gefühl tauber. Als die Beine komplett zerfetzt und vom Blut überströmt waren, warf Borin den Speer zur Seite. Das klägliche Geschrei des Mannes hatte sich in ein leises Wimmern gewandelt.
Kenvelo und auch Elisir wendeten ihren Blick ab. Sie hätten es vermutlich nicht anders gemacht und die Person getötet und doch erschreckte dieser Anblick sie. Tanar bückte sich zu dem Mann herab.
„Wer ist euer Anführer und wie komme ich zu ihm!“
Mit zitternder Hand fuhr der Mann über seine Beine und dachte nicht daran zu antworten. Er winselte vor Schmerzen und fürchtete um sein Leben.
Tanar fasste die Hand des Mannes und drückte seine eigenen Finger in dessen Wunden, so das ihn die Schmerzen von neuem durchdrangen.
„Antworte mir!“
„Ihr werdet alle sterben! Was bringt euch der Name und die Beschreibung des Weges. Ihr schafft es nicht bis dort.“
Wütend schlug Tanar mit seiner Faust auf das Bein des Mannes. Er begann erneut unter Schmerzen zu schreien.
„Tanar töte ihn endlich. Seine Schreie werden uns nur verraten.“
Kenvelos Worte klangen unsicher, da er Tanar nicht mehr wieder erkannte. In solch einer Verfassung hatte er den König noch nie zuvor erlebt.
„Nein. Niemand wird ihn hören. Schmerzen ohne Schreie sind nur halb so schlimm. Sie wären nur körperlich, doch sein eigenes Geschrei nagt an seiner Seele. Es frisst sich in sein Inneres und lässt ihn nur einen schlimmeren Tod erleiden. Angst frisst die Seele.“
„Das ist kein Tod den jemand verdient hat! Das ist grausam und kein bisschen besser, als das was sie tun.“
Langsam brauste sich Wut in Ken auf. Tanar bemerkte nicht einmal in was für ein Monster er sich verwandelt hatte. Es war sein Königreich und er wollte diese Straftaten nicht dulden. Schnaufend sprang er auf.
„Was weißt du schon was grausam ist!“
Die Stimme des Königs vibrierte durch das Tal. Seine Hände zitterten unter seiner geballten Wut, als er direkt vor Kenvelo stand. Es sah so aus, als würde ein weiteres Wort reichen und Tanar würde auf ihn losgehen und nicht auf ihren Feind.
„Du kannst nicht so viel Grauen erlebt haben wie ich! Elfen die ihren eigenen Stamm verraten haben, Familien die verstoßen wurden. Eine Stadt voller verfluchter, die nach dem Fleisch lebender gierten! Eine so schwere Bürde, die du alleine tragen musst und niemand der dir Trost spenden konnte, weil du es ja niemanden erzählen konntest. Ich stand den vier Übeln gegenüber und habe wahres Leid von ihnen erfahren. Sie haben mir Qualen, Furcht und Wahnsinn gezeigt. Weißt du wie es ist, wenn alles vor deinen Augen verschwindet? Deine Freunde verfallen wie Staub im Wind und jedes Mal hinterlässt es einen Riss in deinem Herzen, der nicht verheilt. Mein bester Freund starb in meinen Armen und bat mich darum ihn nicht zu heilen. Weißt du wie das ist, wenn dir sein Blut durch die Finger strömt und du ihm nicht helfen darfst? Nie habe ich die Zeit bei den vier Übeln vergessen und ihnen geschworen, dass ich sie bekämpfen werde. Dieser Mann ist besessen von ihnen und ich werde es nicht zulassen, dass er weiter ihr Werk verbreitet.“
Er wurde immer lauter beim Reden und merkte kaum, wie er zu schreien begann.
„Genau das was du zu bekämpfen versuchst unterstützt du damit nur. Wenn du nicht aufpasst wirst du selber zu einem Werkzeug dieser Vier, die du versuchst zu bekämpfen.“
Kenvelos Stimme hatte sich beruhigend gelegt. Er verstand was Tanar innerlich aufgefressen hatte und versuchte hatte zu verdrängen. Tanar hatte Recht. Er konnte nicht verstehen wie er sich fühlte, denn er hatte all das nie durchleben müssen. Plötzlich wurde Tanar wieder ruhiger. Seine von Wut zerfressene Haltung lockerte sich etwas.
„Ich war Blind vor Wut. Es tut mir Leid. Ich habe nicht einmal gemerkt wie sie ihre dunkle Hand über mich streckten und mein Verstand vernebelten.“
Mit glasigen Augen, die all seine Abscheu gegen diesen Mann widerspiegelten sah er in die abgrundtief schwarze Seele des Mannes.
„Ich will gar nicht wissen, wie oft diese Männer und Frauen schon wegen dir geschrien haben."
Dem Mann stand die Angst im Gesicht geschrieben und er suchte ein letztes Mal nach einem Ausweg, doch niemand konnte ihm mehr helfen.
„Es waren überwiegend Frauen, die wegen mir geschrien haben und das nicht weil ich sie geschlagen habe!"
Mit seinem spöttischen Lachen versuchte er seine Angst etwas zu lindern, denn er hatte mit seinem Leben abgeschlossen. Es gab keinen Ausweg mehr für ihn. Entweder würde man ihn hier liegen lassen, so dass er langsam stirbt oder man würde es endlich vollbringen. Dass jemand vorbei käme und ihn noch heilen könnte, hatte er ausgeschlossen. Und selbst wenn, hätte er vermutlich nie wieder richtig laufen können und wäre nur ein leichtes Opfer für den Schatten.
„Jetzt nicht mehr."
Tanar hob sein Schwert und rammte es dem Mann in den Brustkorb. Er versuchte seinen Hass gegenüber dieser sterbenden Kreatur zu überwinden, doch sie hinterließ einen bitteren Nachgeschmack, den er nicht aus dem Mund bekam. Auf einmal wurden die Augen des sterbenden schwarz.
„Du kannst uns nicht aufhalten! Uns wird es auf ewig geben!“
Genau so schnell wie sich die Augen geschwärzt hatten, bildeten sie sich auch wieder zurück. Wie erstarrt blickten sich auf den toten Körper, bis sie begriffen, was passiert war. Der Gedanke, dass die Übel so mächtig waren, dass sie sogar durch Körper mit ihnen für einen kurzen Zeitraum kommunizieren konnten, ließ sie schaudern.
Etwas verwirrt schauten sie sich in der Gegend um, ob es noch sicher war. Auf einem Hügel sahen sie die beiden Sklaven, wie sie dem Horizont entgegenliefen.
„Für die Beiden können wir nur noch hoffen.“
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Soo, nu konnte ich auch hier weiter lesen

Einfach nur faszinierend, die Geschichte.
Bekanntlich stirbt die Hoffnung ja zuletzt!
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Gras wächst auch nich schneller, wenn man dran zieht!

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Cool! Es scheint mir, als käme diese Geschichte gut an :>
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Cool! Es scheint mir, als käme diese Geschichte gut an :>
So ist es!
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Teil 19

Sie widmeten sich wieder ihrem eigentlichen Unterfangen und versteckten die Leichen.
Tanar zog sich den Mantel zu Recht, denn er zwickte und passte nicht richtig. Er und Elisir hatten sich die Kleidung der beiden getöteten Wachen angezogen um unbemerkt in die Mienen zu gelangen.
„Und warum müssen wir eure Gefangenen spielen?", wollte Kenvelo wissen, „Einer von euch könnte sich in Ketten legen und ich übernehme seine Rolle."
Tanar legte ihm die Ketten der entflohenen Sklaven um Hände und Füße, während Elisir das gleiche bei Borin tat.
„Elisir könnte einen von denen in letzter Zeit begegnet sein, der ihn erkennt und auch bei mir wäre es wahrscheinlicher, dass sie mich erkennen."
Tanar zog sich eine Kapuze auf den Kopf um sein Gesicht etwas zu verschleiern.
„Ein Zwerg wird wohl kaum unter diesen Dieben und Mördern sein, denn alle Zwerge die Leben, haben sich sofort in ihre Heimat zurückgezogen."
Unzufrieden und murmelnd sah Kenvelo es ein und fand sich mit seinem Schicksal ab.
Tanar hob etwas von dem Salz und Sand Gemisch auf und rieb damit Ken und Borin ein. Die abgelegte Kleidung verstauten sie sicher bei den Leichen. Nur noch in leichter, zerfetzter Kleidung wurden die beiden Gefangenen voran getrieben.
„Ich habe keine Ahnung wie tief diese Höhlen gehen und je weiter wir unentdeckt kommen, desto besser."
Tanar gab ihm einen leichten Hieb von hinten um sie schneller voran zu treiben.
„Und nun los du wertlose Made!".
Borin und Ken schnauften nur verächtlich und steuerten auf den Eingang zu. Als sie den Eingang erreichten verdunkelte es sich schlagartig. Der reizende Staub von Salz lag nun noch schwerer als zuvor in der Luft. Fackeln leuchteten ab und an an den Wänden und leiteten sie durch die Dunkelheit. Als sie an einer Gabelung ankamen, fiel ihnen zuerst die Wache gar nicht auf, denn sie hatte sich in einem dunklen Kegel auf einen Stuhl zurückgezogen. Gemütlich drückte er sich mit seinem Speer vom Boden ab und kippte nur auf den hinteren Stuhlbeinen gegen die nackte Felswand. Unsicher gingen sie den linken Weg, als die Wache sie davon abhielt.
„Hey! Sie brauchen da hinten noch mehr Arbeiter. Anscheinend sind wir endlich drauf gestoßen. Hatte schon beinahe nicht mehr dran geglaubt. Dachte er hätte uns belogen.“
Etwas verwirrt runzelte Tanar die Stirn, traute sich jedoch nicht danach zu fragen.
„Mein Fehler, dachte sie sollten wieder hier hin. Man hatte mir davon noch nichts erzählt.“
Die Wache spuckte abwesend auf den Bode, weil er sich wieder seiner Beschäftigung gewidmet hatte und an der Wand kippelte.
„Ja ja! Bringt sie einfach da hin.“
Sie bogen nach rechts ab und gingen den geraden Weg hinab in die Tiefen.
Je tiefer sie gingen, desto mehr versklavte Männer und Frauen sahen sie, wie sie von den Wächtern in die gleiche Richtung getrieben wurden. Sie schlossen sich den immer größer werdenden Strom an, bis sie zum Ende gelangten. Eine riesige, glatte Steinwand ragte vor ihnen empor. Es schien als wäre nur ein kleiner Teil von dem Gestein befreit worden, denn die Arbeiter hauten immer noch Stücke davon ab.
„Was ist das?"
die Vier kamen aus dem Staunen nicht mehr raus.
„Los! Die Sklaven können welche an dem Ende ablösen!"
Trotz des vielen Lärmes, klang die Stimme des Wärters stark und klar durch den Tunnel, der von der Größe und dem Ausmaß nun eher ein riesen großer Raum war.
Schnell blickte sich Tanar nach einer anderen Möglichkeit um, doch er konnte ihm wohl kaum den Befehl verweigern.
„Es tut mir leid, aber solange wir nicht wissen wo die falsche Schlange sitzt, müsst ihr bei den Sklaven aushalten.", flüsterte er seinen in Ketten liegenden Freunden zu.
Mit einem entsetzten Blick und offenem Mund starrten Ken und Borin zu ihm.
„Das ist jawohl nicht dein Ernst! Genau deswegen wollte ich, dass du meine Rolle übernimmst!", fauchte Ken ihn an.
Schwerfällig stapften sie mit den anderen Sklaven zu der Wand. Man drückte ihnen Spitzhacken in die Hand und lies sie weiter die Wand frei hauen. Erschöpft und mit müden Gesichtern, wurde die erste Schicht weg geführt. Als sich Tanar und Elisir genauer umsahen, bemerkten sie gerade noch, wie der Großteil der Wächter wieder kehrt machte und verschwand. In der Hoffnung, dass man sie direkt zu ihrem Anführer führen würde, schlossen sie sich ihnen an.
„Verdammt! Es ist falsch Ken und Borin hier wie Sklaven zurück zulassen.“, flüsterte Elisir ihm zu.
„Ich weiß, aber anders kommen wir nicht an mehr Informationen.“
Sie lauschten angespannt den Gesprächen der Wächter, doch sie redeten nur über Dinge, die sie nicht interessierten oder abstoßend fanden. Wer welche Schandtaten ausgeübt hatte und wie sie ihre Gefangenen behandelt hatten. Sie setzten sich in einem Raum, voller Stühle und Tische. Es dauerte nicht lange und einige Frauen wurden mit Essen rein geschickt. Sie deckten die Tische, wobei sie den blicken und Griffen der Männer nicht entgehen konnte. Tanars Zähne knirschten vor Wut. Elisir sah, wie die Zeiten Tanar verändert hatten. Es war Gift für seine Seele und er würde nicht ewig dagegen ankämpfen können. Irgendwann würde Tanar die komplette Kontrolle verlieren und vielleicht nie wieder normal werden.

Es war eine eher karge Mahlzeit, doch sie war warm und das schien den Leuten zu reichen. Als Tanar einen Löffel der Suppe nahm, schmeckte er erst, wie versalzen sie war. Nun gut, Salz hatten sie auch genug. Sie saßen mit zwei weiteren Wächtern am Tisch, versuchten jedoch unbeachtet zu bleiben. Elisir räusperte sich, so dass sie ihn ansehen mussten.
„Warum haben wir diese scheiß Wand nicht einfach weg gesprengt?"
Die beiden Wachen begannen zu lachen.
„Nicht dabei gewesen? Hab‘n wir versucht, aber Vincent meint, dass es Zwergenarbeit ist und die bekommen wir nicht kaputt. Brauch’n den Schlüssel meinte er. Versuch‘n jetzt die Wand zu umgraben."
Nachdenklich hatte Tanar dem Gespräch gelauscht. Er versuchte die Informationen auszuwerten und daraus zu schlussfolgern, während Elisir mit den beiden Wachen sein Gespräch fortsetzte. Allem Anschein nach war Vincent ihr Anführer und er musste ihnen etwas eingetrichtert haben. Irgendetwas, was versteckt hinter diesem Tor lag. Ein schlauer Zug, dachte sich Tanar, ihnen ihr Ziel zu zeigen, sie jedoch hin zuhalten mit dem öffnen. Bestimmt hatten schon einige Leute über einen Machtwechsel gesprochen, jetzt jedoch waren seine Männer wieder neugierig und glaubten an seine Worte. Doch was konnte er ihnen gesagt haben, dass sie ihm folgten? Auch wenn die Mahlzeit nicht wirklich geschmeckt hatte, so schob er den leeren Teller von sich weg. Und streckte sich etwas. Der andere Wächter, der mit ihnen am Tisch saß, starrte ihn einen Moment regungslos an, bevor er sich erhob und den Tisch verließ.
„Was’n mit dem los?", wollte Tanar wissen.
Achselzuckend schaute der andere ihm nach.
„Bekommt’s essen nicht gut."
Der einzige Gedanke der Tanar durch den Kopf schoss, als er das Lachen der Wache über seinen eigenen Witz hörte, war „Mensch der Kommt nicht oft raus.". Er schaute dem anderen hinter her, der sich im Gehen umdrehte und ein letztes Mal zu Tanar sah, dann verschwand er. Was hatte der auf einmal gehabt? Hatte er ihn vielleicht erkannt? Es waren einige Monate vergangen und die Nachricht, dass der König tot sei hatte sich breit gemacht. Aber was wenn er ihn doch erkannt hatte und nun zu Vincent gehen würde? Wäre der Anführer auch nur etwas schlau, so würde er es überprüfen. Tanar biss sich auf die Zähne und entschloss sich dann ihm zu folgen.
Elisir sah ihm nach, war jedoch noch immer im direkten Gespräch vertieft. Er entschloss sich dagegen ihm hinter her zu gehen, da es sonst zu sehr auffallen würde.
Als Tanar den Raum verlasse hatte, suchte er den Gang und die angrenzenden Räume ab.
„Psst", ertönte es am Ende des Tunnels. Ein Kopf spähte aus einem Raum zu ihm rüber. Es war der von ihm Gesuchte. Tanar schlüpfte durch den Vorhang in den Raum und stand dem Mann nun gegenüber, der ihn noch einmal genauestens musterte. Unerwarteter weise fiel er vor Tanar auf die Knie.
„Mein König."
„Halt nein, steh auf! Sei nicht töricht, du bringst uns beide nur in Gefahr."
Der Mann stand auf und bot Tanar einen Stuhl zum Sitzen an.
„Ich bin Jolosin."
Tanar runzelte die Stirn.
„Und du erzählst mir das, weil …?"
„Oh ja, ich habe den Fragen deines Freundes gelauscht und ich weiß das ihr das hier beenden wollte. Ich möchte euch dabei helfen!"
Jolosin holte unter seinem Bett etwas in Tüchern gewickeltes heraus. Als er den Griff des Schwertes enthüllte, kam ein Symbol zum Vorschein.
„Das ist ein Ehrensymbol. Was hat dich hier her verschlagen?"
Der Ritter verstaute es wieder sicher unter seinem Bett.
„Dies hier ist der einzige sichere Ort. Es gibt viele Ritter, die unter Vincent dienen, weil er uns Schutz vor dem Schatten und Mahlzeiten verspricht. Wir mussten uns alle überwinden schreckliche Dinge zu machen, während es manchen auch spaß bringt."
Es kostete Tanar Überwindung Jolosin zu vertrauen, doch er schien Loyal zu sein und was für eine Wahl hatte er schon. Immerhin wusste er, dass er der Großkönig Aaganiens war. Wenn er ihn in eine Falle locken wollte, hätte er genug Wissen, um ihn auffliegen zulassen.
„Was erwartet ihr hinter dieser Wand?", wollte Tanar wissen.
„Vincent meinte, dass es dort ein altes Artefakt der Zwerge gibt. Ein Horn, welches den Geist der Befallenen von den Schatten befreien kann. Er selber kommt jedoch selten aus seiner Höhle raus. Das letzte Mal kam er zum Vorschein, als wir versuchten die Wand zu sprengen. Wie wollt ihr ihn unbemerkt eliminieren? Seine Leibwache Wolgrund ist die ganze Zeit bei ihm. Ein stämmiger Kerl, mit langem Bart, der selber behauptet sein Vater wäre ein Zwerg gewesen und seine Mutter ein Mensch. Der Kerl ist riesig! Fast zwei Meter groß."
Mit einem Mal ging der Vorhang auf und Elisir stand im Raum.
„Ein Glück das man deine Stimme sofort erkennt. Du wirst nicht glauben was mir passiert ist."
Der Erbe musste sich leicht zusammen reißen, weil er es selber nicht so recht glauben konnte.
„Der Kerl mit dem ich gesprochen habe, meinte dass er den Schlüssel hätte. Es ist ihm einfach so raus gerutscht. Wenn wir uns den Schlüssel von ihm besorgen, könnten wir selber dort rein oder es Vincent geben und so dicht an ihn herankommen."
In seinem Kopf schmiedete Tanar verschiedene Pläne. Es interessierte ihn, was hinter dem Tor lag, doch wichtiger war es an Vincent zu kommen.
„Also gut. Wir werden warten bis alle schlafen, dann holen wir uns den Schlüssel und führen ihn zu Vincent."
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Teil 20

Auch wenn man nicht genau wusste, ob es gerade wirklich Nacht war, weil man den Himmel nicht in den dunklen Mienen sehen konnte, so hatten sich dennoch fast alle schlafen gelegt. Man hatte die Sklaven in kleine Räume gesperrt und nur eine Notschicht der Wachen war noch auf den Beinen. Tanar und Elisir hatten gewartet, bis sich alle hingelegt hatten und sich dann zwei freie Kabinen gesucht. Sie lagen nicht lange auf ihren Betten, bis sie wieder aufstanden und sich an ihrem vereinbarten Treffpunkt versammelten. Auch Jolosin war dabei und wollte helfen. Es dauerte einen Moment, bis sie das richtige Zimmer fanden. Tief und fest schlief der Mann auf seinem Bett. Auf leisen Sohlen schlichen sie durch das Zimmer und durchwühlten seine Sachen.
„Wie sieht denn der Schlüssel aus?", wollte Tanar wissen, doch als Antwort bekam er nur ein Achselzucken.
„Toll und nun?"
Im Schlaf drehte sich der Mann auf dem Bett zu ihnen. Er schnarchte laut und kratzte sich am Gesäß.
„Da! an seinem Hals."
Um seinen Hals trug er eine Kette, die unter sein Hemd ging. Eine größere Beule zeichnete sich in Höhe des Brustkorbes ab. Vorsichtig gingen sie zu ihm herüber und versuchten an den Gegenstand unter seinem Hemd zu gelangen. Als sie das Hemd leicht anhoben und die Kette herausziehen wollten, sprangen die Augen des Mannes auf.
„Hey! Was wird’n das!"
Im ersten Moment zuckten sie zusammen, doch dann schlug Jolosin dem Mann ins Gesicht.
„Halt’s Maul! Wir wissen von dem Schlüssel, der Vincent gehört! Kommt bringen wir ihn mit dem Schlüssel dort hin."
Der Mann wollte panisch schreien und um sich schlagen, doch gegen die geballte Kraft von Tanar und Elisir hatte er keine Chance. Sie schliffen ihn aus seinem Zimmer, durch den Gang bis vor Vincents Zimmer. Leicht aufgeregt schlug Jolosin gegen die schwere Holztür. Es war die wohl einzige richtige Tür in der Miene, neben denen aus dem Gefängnistrakt. Ihr Herz schlug wild in der Brust. Während sie darauf warteten, das man ihnen die Tür öffnen würde und sie rein ließ. Genervt setzte sich jemand hinter der Tür in Bewegung. Sie hörten wie ein Riegel zur Seite gerissen wurde und jemand die Tür öffnete. Es war zweifelsfrei nicht Vincent, sondern der zwei Meter große halb Mensch, halb Zwerg, Wolrund. Er war doppelt so breit wie Tanar und äußerst muskulös. Er trug eine leichte Lederrüstung, die Beine und Oberkörper bedeckte, Arme jedoch frei ließ. Wie viele Zwerge trug er einen langen Vollbart, der ihm bis zur Brust ging, sein Kopf jedoch war kahl. Seine buschigen Augenbrauen und das zerknautschte Gesicht ließen ihn aufs äußerste gefährlich wirken.
„Was?"
Er sprach knapp und machte ihnen deutlich, dass er sie zerreißen würde, wenn es nicht wichtig sei, denn in seiner rechten Hand hielt er eine doppelschneidige Axt.
„Wir haben hier jemanden, der etwas von Vincent hat. Er wollte selber mit dem Schlüssel das Tor öffnen und den Schatz stehlen."
Wolrund drehte sich zurück und lehnte die Tür wieder zu. Kurze Zeit später öffnete er sie wieder.
„Kommt rein."

Sie traten in einen kleinen Raum ein. An der Decke schwebten drei kleine Lichter, die ein warmes Licht verströmten. Vincent saß an einem Holztisch und schälte gerade eine Frucht. Er Hatte kurzes Haar und einen kurzen Bart. Schlecht konnte es ihm nicht gehen, denn unter seinem Hemd zeichnete sich ein wohlgenährter Bauch ab.
„Schwer in diesen Zeiten ran zu kommen, doch der Geschmack ist unvergleichbar."
Er schnitt ein Stück der Frucht mit seinem langen, scharfen Messer ab und bot es seinen Gästen an. Als sie es dankend ablehnten, aß er selber ein Stück und legte es dann weg.
„Ihr sagt also, dass mich dieser Wurm da bestohlen hat?"
Er zeigte direkt auf den Mann, der zitternd zwischen Tanar und Elisir stand. Noch immer hielten sie ihn am Kragen fest, so dass er fast abhob. Leicht lief Blut über sein Gesicht, denn der Schlag von Jolosin hatte eine Platzwunde unter dem Auge hinterlassen.
„Ich wollte euch nicht …"
„Hey! Habe ich verdammt nochmal mit dir gesprochen?"
Vincent donnerte seine Faust auf den Tisch und blickte ihn sauer an.
„Ich habe mit den anderen gesprochen und nicht mit dir! Los mach ihm deutlich, dass er nicht sprechen soll!"
Entspannt lehnte er sich wieder zurück, während er zusah, wie Tanar ausholte und den Mann ein Schlag verpasste. Die Faust grub sich tief in die Magengrube und ließ den Mann auf husten.
„So. Und nun sagt ihr mir was los ist."
Josolin ging zu dem Mann und riss dessen Hemd auf, um an den Schlüssel zu gelangen. Er zog einmal kräftig an der Kette und die Nieten zersprangen. Erwartungsvoll blickten sie auf das breite Stück Metall, welches an der Kette baumelte. Es war ungefähr Faustgroß. Eher ein längliches Stück Metall, als ein Schlüssel, doch Vincents Augen weiteten sich.
„Wieso hat so jemand den Schlüssel!"
Er bedeutete Josolin ihm den fünfkantigen Schlüssel zu bringen. Gierig entriss er ihm das Metall und begutachtete es.
„Der beste Tag seit langem. Erst legen wir die Kammer frei und dann bringt man mir auch noch den Schlüssel. Also gut. Für euch drei überlege ich mir eine Belohnung wenn wir das Horn haben. Und du, du wirst schön Arbeiten dürfen."
Stotternd und mit schniefender Nase versuchte der Mann seine Haut zu retten, doch Vincent befahl Tanar wieder ihn zu schlagen.
„Verdammt nochmal! Geht es nicht in deinem Kopf rein? Du hast einfach nur still zu sein!“
Als geschlossene Gruppe verließen sie den Raum. Vincent und Wolgrund gingen hinter ihnen her, während Josolin sie zu der Wand führte. Überrascht sprangen die Wachen auf, als die Gruppe um die Ecke kam und auf die Wand zuging. Ohne ein Wort ging Vincent an ihnen vorbei und blieb vor dem Schlüsseloch stehen. Als er den Stab in die breite Öffnung steckte und es versuchte zu drehen, blieb ihnen fast der Atem stehen. Irgendwas blockierte jedoch. Er versuchte den Schlüssel weiter zu bewegen, doch es geschah nichts.
„Das ist nicht der Schlüssel. Nur ein wertloses Stück Metall.“
Er warf es dem Mann vor die Füße. Vincent klang nicht erbost oder verärgert. Es klang fast als wäre er erleichtert.
„Warum glaubtest du, dass dies der Schlüssel sei?“
Vincent wollte gar keine Antwort von ihm haben und stapfte einfach an ihnen vorbei.
„Wir müssen uns dafür entschuldigen, dass wir es ihm geglaubt haben.“
Der Anführer blockte jedoch ab.
„Der wollte sich nur wichtig tun.“
Bevor er um die Ecke verschwand, drehte er sich noch einmal um.
„Sperrt ihn trotzdem zu den Gefangenen. Der wird schuften dürfen.“
Er versuchte dagegen anzukämpfen, doch der Mann hatte keine Chance gegen die anderen. Ab der Hälfte des Weges hatte der Mann aufgegeben sich zu wehren und so schliffen ihn Tanar und Elisir das letzte Stück über den Boden.
„Ein neuer Gefangener.“
Brüllte Tanar den Wachen zu, als sie vor der Gefängnistür standen. Sie öffneten die Tür ohne nach zu fragen. Es war stockfinster und kühl in dem riesigen Raum und nur das flache Atmen der Gefangenen war zu hören.
„Wie konntet ihr mir das antun?“
Der Mann war dem weinen nahe und schluchzte jämmerlich.
„Ach sei leise! Du wirst sowieso nicht lange hier sein.“
Bevor der Mann fragen konnte, wie sie das meinten, ertönte eine Stimme aus dem dunklen.
„Elisir? Bist du da?“
Er sprach absichtlich nicht Tanars nahmen aus, um nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf sie zu lenken. Die Nachricht, dass der König hier war hätte sich nur wie ein Lauffeuer verbreitet und innerhalb kürzester Zeit auch Vincent erreicht.
„Ken?“
„Ja!“, er rutschte über den Boden zu ihnen vor um besser mit ihnen sprechen zu können, „Wie geht es voran?“
„Es dauert noch ein paar Tage, dann sollten wir hier fertig sein. Haltet noch solange aus.“
Ken atmete schwer aus. Von weiter hinten hörte man Borins Stimme.
„Wehe wenn nicht! Für diese Aktion schuldest du uns auf jeden Fall einen!“
Tanar und Elisir klopften gegen die Tür und man öffnete sie wieder und lies sie heraus. Josolin hatte vor der Tür auf sie gewartet und ging zusammen mit ihnen zurück.
„Man, das war jawohl ein Reinfall.“, er hatte gewartet, bis er sich sicher war, dass sie niemand hören konnte.
„Aber wenigstens waren wir schon mal dicht an Vincent. Er wird uns vertrauen, ob er will oder nicht. Glaubt mir.“
Tanar hatte seinen Finger an der Wand langstreifen lassen, während er sprach. Er war sich ganz sicher, dass Vincent nicht lange auf sich warten lassen würde. Er hatte es in seinen Augen gesehen. Die Zufriedenheit, dass Tanar ohne zu zögern zugeschlagen hatte.
Sie kamen wieder bei den Schlafplätzen an.
„Also gut. Ich werde mich jetzt schlafen legen. Hoffen wir, dass wir wirklich nochmal eine Chance bekommen.", sprach Josolin leise.
Er verschwand hinter seinem Vorhang und auch Tanar und Elisir suchten sich ihre Kabine. Hellwach legte sich Tanar hin. Irgendetwas umwob seinen Geist immer mehr. Konnte der Steingeist Nephalax seinen Körper doch nicht komplette von dem Gift befreien? Hatte es eine Nebenwirkung gegeben, die ihn zu verderben begann? Er merkte es immer öfter, wie er beinahe seine Beherrschung verlor. Seine Gewaltbereitschaft hatte zugenommen. Er erinnerte sich an den Schänder, den sie in dem Tal überrascht hatten. Er hatte ihn mit Freude gequält. Er hatte es genossen, den Mann vor Vincents Augen zu schlagen und sich über ihn zu stellen. Und als wäre das nicht genug, nagte die Trennung von Liathan an ihm. Vielleicht konnte sie dies alles beenden. Immerhin war sie auch von Hass und einer unbeschreiblichen Mordlust getrieben, bevor sie Tanar kennen lernte. Nein, sie war nicht böse, nur missverstanden, das konnte er damals ganz klar spüren. Er konnte ihr zeigen, dass es Hoffnung gab und dass er sie verstand. Er hatte damit ihren Fluch gebrochen und ihr Liebe geschenkt, doch bei ihm war es diesmal anders. Er fühlte die Wut in sich, wie sie immer wieder versuchte auszubrechen. Wie sie an den Wänden kratzte. Es war erwacht und wollte nun auch nach außen dringen. Doch immer wenn es so weit war, gab es etwas, was es zurück hielt. Es steckte mehr verborgenes in ihm, als nur diese ungebändigte Wut. Etwas, was noch die Oberhand hatte und ihm seinen Verstand bewahrte. Doch wie lange konnte dieses etwas es noch zurück halten. Er brauchte Liathan wieder und vor allem musste er dem Schatten das Leben nehmen. Seine einzige Hoffnung lag darin, dass mit dem Tod des Schattens auch dieses Gefühl verschwinden würde und er keine Gefahr mehr darstellen würde. Er wollte sich nicht vor seiner Familie verstecken müssen, weil er sich nicht kontrollieren konnte. Mit tausenden Fragen und schlimmen Vorahnungen, ließ sein Verstand ihn doch noch einschlafen. Selbst im Schlaf spürte er wie es keine Ruhe gab. Es wollte raus, um jeden Preis!
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