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  #1  
Alt 31.05.2018, 22:29
Benutzerbild von BoehserSteve
BoehserSteve BoehserSteve ist offline
Raidleader
 
Registriert seit: 31.10.2011
Gilde: die Wilde Gilde
Beiträge: 4.949
Standard Von der Schwierigkeit zu leben

Unbekannter Verfasser, grade in einem alten Forum gefunden, in dem ich von 2004 bis 2011 aktiv war

Zitat:
Von der Schwierigkeit zu leben...

Bitte höre was ich nicht sage!
Lass dich nicht von mir narren!
Lass dich nicht durch das Gesicht täuschen,
das ich mache, denn ich trage tausend Masken –
Masken, die ich fürchte abzulegen
und keine davon bin ich.

So tun als ob ist eine Kunst,
die mir zur zweiten Natur wurde.
Aber lass dich dadurch nicht täuschen,
um Gottes Willen, lass dich nicht von mir narren.

Ich mache den Eindruck, als sei ich umgänglich,
als sei alles sonnig und heiter in mir,
Innen wie Außen,
als sei mein Name Vertrauen und mein Spiel kühle,
als sei ich ein stilles Wasser
und als könne ich über alles bestimmen,
so als bräuchte ich niemanden.

Aber glaub mir nicht, bitte glaub mir nicht!

Mein Äußeres mag sicher erscheinen,
aber es ist meine Maske.
Darunter ist nichts Entsprechendes.
Darunter bin ich, wie ich wirklich bin:
Verwirrt, in Furcht und alleine.
Aber ich verberge das.

Ich möchte nicht, dass es jemand merkt.
Beim bloßen Gedanken an meine Schwächen
bekomme ich Panik und fürchte mich davor,
mich anderen überhaupt auszusetzen.
Gerade deshalb erfinde ich verzweifelt Masken,
hinter denen ich mich verbergen kann:

Eine lässige kluge Fassade,
die mir hilft etwas vorzutäuschen,
die mich vor dem wissendem Blick sichert,
der mich erkennen würde.
Dabei wäre dieser Blick gerade meine Rettung
und ich weiß es.

Wenn er verbunden wäre
mit Angenommen werden, mit Liebe..
Das ist das einzige,
das mir die Sicherheit geben kann:
Dass ich wirklich etwas wert bin!

Aber das sage ich dir nicht!
Ich wage es nicht!
Ich habe Angst davor. Ich habe Angst,
dass dein Blick
nicht von Annahme und Liebe begleitet wird.
Ich fürchte, du wirst gering von mir denken
und über mich lachen.
Und dein Lachen würde mich umbringen.
Ich habe Angst,
dass ich tief in mir selbst nichts bin,
nichts wert und dass du das siehst
und mich abweisen wirst.

So spiele ich mein Spiel,
mein verzweifeltes Spiel:
Meine sichere Fassade Außen
und ein zitterndes Kind Innen.
Ich rede daher im gängigen Ton
oberflächlichen Geschwätzes.

Ich erzähle dir alles,
was wirklich nichts ist
und nichts von alledem was wirklich ist,
was in mir schreit.

Deshalb lass dich nicht von mir täuschen,
von dem was ich aus Gewohnheit rede.
Bitte höre sorgfältig hin
und versuche zu hören, was ich nicht sage,
was ich gerne sagen möchte
und nicht sagen kann!

Ich verabscheue Versteckspiele! Ehrlich!
Ich verabscheue dieses oberflächliche Spiel,
dass ich da aufführe!
Ich möchte wirklich echt und spontan sein können,
einfach ich selbst, aber du musst mir helfen.
Du musst deine Hand ausstrecken,
selbst, wenn es das letzte zu sein scheint,
was ich mir wünsche.

Nur du allein kannst den leeren
toten Glanz von meinen Augen nehmen.
Nur du kannst mich zum Leben rufen.
Jedes mal wenn du zu verstehen versuchst,
weil du dich wirklich um mich sorgst,
bekommt mein Herz Flügel – kleine Flügel,
sehr brüchige Schwingen, aber Flügel!

Dein Gespür, dein Mitgefühl
und die Kraft deines Verstehens
hauchen mir Leben ein!
Ich möchte, dass du weißt,
wie wichtig du für mich bist,
wie sehr du aus mir den Menschen machen kannst,
der ich wirklich bin – wenn du willst!

Bitte, ich wünschte, du wolltest es.
Du allein kannst mir die Wand niederreißen
hinter der ich zittere.
Du allein kannst mir diese Maske abnehmen.
Du allein kannst mich aus meiner Schattenwelt,
aus Angst und Unsicherheit befreien –
aus meiner Einsamkeit. Übersieh mich nicht.

Bitte bitte übergeh mich nicht.
Es wird nicht leicht für dich sein.
Die lang andauernde Überzeugung wertlos zu sein,
schafft dicke Mauern.
Je näher du mir kommst,
desto blinder schlage ich zurück.
Ich wehre mich gegen das, wonach ich schreie.
Aber man hat mir gesagt,
dass Liebe stärker sei als jeder Schutzwall
und darin liegt meine Hoffnung.

Bitte versuche diese Mauern niederzureißen –
mit sicheren Händen, aber mit zarten Händen:
Ein Kind ist sehr empfindsam.
Wer ich bin, magst du fragen?
Ich bin Jemand, den du schon lange kennst.
Du kennst mich sehr gut.
Ich bin Jedermann den du triffst,
jeder Mann und jede Frau, die dir begegnen!


Unbekannter Verfasser
__________________



Geändert von BoehserSteve (31.05.2018 um 22:33 Uhr)
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  #2  
Alt 01.06.2018, 04:44
Nightshade Nightshade ist offline
Schmied
 
Registriert seit: 18.04.2010
Beiträge: 164
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Hier ist das Original mit Verfasser: https://poetrybycharlescfinn.com/pag...-im-not-saying

Das weckt Erinnerungen...

Geändert von Nightshade (01.06.2018 um 04:45 Uhr)
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  #3  
Alt 01.06.2018, 08:06
Benutzerbild von BoehserSteve
BoehserSteve BoehserSteve ist offline
Raidleader
 
Registriert seit: 31.10.2011
Gilde: die Wilde Gilde
Beiträge: 4.949
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Ursprünglich kannte ich nur den ersten Teil, hat für mich mehr als Symbolcharakter. Ich versteck(t)e mich auch unter andern Namen, sowohl im Internet, aber auch (ab Ende 1996) mit der Nutzung eines Spitznamens, wenn ich mich irgendwem vorstelle, anstatt meines normalen, so dass mich viele in meinem damaligen, privaten Umfeld nur als Steve kennen und nicht wissen, dass ich eigentlich anders heisse.
__________________


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  #4  
Alt 01.06.2018, 21:04
Der Lehrer Der Lehrer ist offline
Pilzsammler
 
Registriert seit: 24.09.2016
Beiträge: 32
Standard

Ich kenne es von hier: Aus "Von der Schwierigkeit zu lieben, Maßstäbe des Menschlichen" von Tobias Brocher
Kreuz Verlag Stuttgart, 12. Auflage, 1975, ISBN 3-7831-0465
Wer hat da jetzt wohl abgekupfert? Ist übrigens auch sonst ein empfehlenswertes Buch, mit dem ich auch heute noch gut arbeiten kann.
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  #5  
Alt 01.06.2018, 21:40
Kronios Kronios ist offline
Skelettwächter
 
Registriert seit: 09.01.2014
Beiträge: 1.931
Standard

Verstecken tust du Dich, ja... aber nicht zu sehr.
Du arbeitest auch an Dir, und das ist wichtig. Ich verstecke mich auch im Netz, ich bin Kroni. Nur ganz wenige Leute kennen meine "Realdaten".

Ich muss jetzt ganz klar mal sagen, dass Du eine Bereicherung für die Community bist. Wenn Du mal verstehst, dass du hier nicht verteidigen oder angreifen musst, ganz einfach, weil du akzeptiert bist... dann hast Du einen Schritt für Dich getan. Und für uns auch. Und das sind die Dinge, die dich aus Deiner Scheiße rausreißen (sorry für den Ausdruck, der musste sein).

Du bist auf dem Weg.
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  #6  
Alt 02.06.2018, 04:52
Nightshade Nightshade ist offline
Schmied
 
Registriert seit: 18.04.2010
Beiträge: 164
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Zitat:
Zitat von Der Lehrer Beitrag anzeigen
Ich kenne es von hier: Aus "Von der Schwierigkeit zu lieben, Maßstäbe des Menschlichen" von Tobias Brocher
Kreuz Verlag Stuttgart, 12. Auflage, 1975, ISBN 3-7831-0465
Wer hat da jetzt wohl abgekupfert? Ist übrigens auch sonst ein empfehlenswertes Buch, mit dem ich auch heute noch gut arbeiten kann.
Nicht abgekupfert, nur übersetzt.

Aber es gibt auch unbelegte Aussagen auf diversen Gedichte-Seiten, dass Tobias Brocher die übersetzte Version von einem Studenten überreicht wurde.
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